Angesichts der psychologischen Effekte kann die Arbeit mit ihr jedoch übers Ziel hinausschießen und genaue Gegenteil dessen kippen, was Journalismus auszeichnet: KI antwortet, ohne zu widersprechen, sie glättet Friktionen, liefert als „konstruktive KI“ plausible Lösungen – auch dort, wo eigentlich Skepsis angebracht wären. Genau diese Wirkung erklärt, warum ihr Einsatz so selten offen verhandelt wird und zur geräuschlosen Beiläufigkeit wird.
Es ist am Ende vielleicht gut, dass solche Fehler passieren und öffentlich diskutiert werden. Denn sie liefern wichtige Denkanstöße und zeigen, warum es nicht reicht, über Tools, Regeln und Ethik jeweils getrennt zu sprechen. Diese Ebenen wirken in einem „KI-Framework“ stets zusammen – oder sie sie unterlaufen sich gegenseitig. KI-Resilienz im Journalismus meint deshalb nicht Fehlervermeidung, sondern eine Haltung: den Zweifel institutionell zu verankern, Verantwortlichkeiten transparent zu halten und maschinelle Routinen nicht an die Stelle redaktioneller Urteilskraft treten zu lassen.
Stephan Weichert, Übermedien, 24.02.2026 (online)

