Dokumentiert: Der Anteil der Unter-50-jährigen an der Mediennutzung sinkt

Für das Jahr 2025 wird ein deutliches Ausdünnen der jüngeren Jahrgänge angenommen. In den zusammengefassten Altersklassen ist bei den unter 50-Jährigen ein Schwund zu verzeichnen, der in der Gruppe 14 bis 29 Jahre stärker ausgeprägt ist. In den oberen Alterssegmenten verläuft die Entwicklung umgekehrt, der Anteil der 50- bis 69-Jährigen sowie der ab 70-Jährigen nimmt in der Bevölkerungsvorausschätzung zu.

Die Gesamtwirkung des demografischen Wandels auf die Mediennutzung ergibt sich durch zwei Einflussfaktoren, nämlich die Größe des jeweiligen Bevölkerungssegments und die spezifische Mediennutzung der Personen in diesem Segment. Beide Effekte zusammengefasst ergeben das Nutzungsvolumen. Die Gesamtwirkung ist umso größer, je unterschiedlicher die Nutzung im jeweiligen Bevölkerungssegment ist.

Mit dem gewählten Modellansatz ergeben sich für die Nutzung der tagesaktuellen Medien (Fernsehen, Radio, Tageszeitung und Internet) im Zeitverlauf deutliche Veränderungen. Der Nutzungsanteil der jüngeren Menschen im Alter von 14 bis 29 Jahren verringert sich populationsbedingt von 32 Prozent im Jahr 1990 auf 22 Prozent 2015 und 20 Prozent im Jahr 2025. Demgegenüber steigt der relative Nutzungsanteil in den älteren Zielgruppen, insbesondere der ab 70-Jährigen, an.

Zusammengenommen führt der Effekt der Bevölkerungsstrukturveränderung dazu, dass der Nutzungsanteil der ab 50-Jährigen an den tagesaktuellen Medien im Jahr 2025 den Prognosen zufolge fast zwei Drittel ausmachen wird, während es 1990 nur etwa die Hälfte war. Dies zeigt, dass sich das Nutzungsverhalten der jüngeren Generation immer weniger und das Nutzungsverhalten der älteren immer stärker in der Gesamtnutzung niederschlägt.

Auch wenn die Werte keine Punktschätzung für 2025 darstellen sollen, können sie dennoch andeuten, welch großes Veränderungspotenzial durch den demografischen Wandel auch im Medienbereich hervorgerufen wird bzw. welche gegenläufigen Entwicklungen oder Maßnahmen erforderlich sind, um diesen Einflussfaktor auszugleichen oder in eine andere Richtung zu lenken.

Die einzelnen Medien werden auf ähnliche Weise beeinflusst, wenn auch mit etwas unterschiedlicher Intensität: Beim Fernsehen werden nach den Ergebnissen der Simulationsrechnung 2025 70 Prozent der Nutzung von den ab 50-Jährigen generiert, 1990 waren es nur 59 Prozent. Das Radio wird etwas weniger durch den demografischen Wandel beeinflusst, hier führt die Mikrosimulationsrechnung für 2025 zu einem Nutzungsanteil von 65 Prozent bei den ab 50-Jährigen. Die Tageszeitungen und Zeitschriften verschieben der Prognose zufolge das Nutzungsvolumen vor allem in die Altersgruppe der ab 70-Jährigen. Für beide Mediengattungen werden für 2025 bei ansonsten gleichbleibenden Bedingungen mehr als 80 Prozent der Nutzung durch die Altersgruppen 50plus prognostiziert, wobei der Zuwachs vor allem bei den ab 70-Jährigen stattfindet. …

 

Fernsehen und Tagezeitungen profitieren von der älter werdenden Gesellschaft, während die anderen tagesaktuellen Medien (Radio und noch etwas mehr das Internet) vom Alterungsprozess der Gesamtbevölkerung nicht sehr stark beeinflusst werden. …

 

Alles in allem dürfte sich die Populationsveränderung in unserer alternden Gesellschaft hinsichtlich der Bewertung von Fernsehprogrammen auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk eher positiv, auf den privaten Rundfunk eher negativ auswirken. Im Sinne der Zukunftssicherung muss sich jedoch auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk um die Ansprache junger Zielgruppen bemühen.

 

 

Bernhard Engel, Mediennutzung im demografischen Wandel. Media Perspektiven 05/2016, S. 270 ff., online

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