Dokumentiert: Entziehen sich die Jungen dem Fernsehen?

„Eine kontinuierliche Abwendung der jüngeren Generation vom Fernsehen lässt sich aus den Daten also nicht ablesen – ein Befund, der im Übrigen auch für die Drei- bis 13-Jährigen gilt. Die Schere zwischen der Verweildauer und der Tagesreichweite hat sich in den jüngeren Generationen dennoch weiter geöffnet: Der Kreis der täglichen Fernsehzuschauer ist hier gegenüber 2008 etwas kleiner geworden, aber dieser kleinere Zuschauerkreis lässt das Fernsehgerät länger eingeschaltet.“ Es gibt zwei gegenläufige Tendenzen bei den unter 30jährigen: höhere Verweildauer und geringere Tagesreichweite.

 

 

„Während über viele Jahre hinweg rund 60 Prozent von ihnen zum täglichen Fernsehpublikum gehörten, sind es bei den Kindern und den 20- bis 29-Jährigen aktuell nur Prozent und bei den Teenagern 47 Prozent. Praktischer formuliert, nehmen die 14- bis 19-Jährigen inzwischen jeden zweiten Tag „fernsehfrei“; vor zehn Jahren war es nur jeder dritte Tag.

Der Vollständigkeit und Genauigkeit halber muss jedoch in diesem Kontext ein Vorbehalt formuliert werden: Weil die Messverfahren der GfK-Fernsehforschung die Fernsehnutzung auf alternativen Geräten wie PCs, Laptops oder Tablet-Computer noch nicht berücksichtigen können und es ausweislich aller verfügbaren Studien aber insbesondere jüngere Menschen sind, die diese Geräte auch zum Medienkonsum verwenden, liegt der Verdacht nahe, dass ein Teil der rückläufigen linearen Fernsehnutzung am klassischen Fernsehgerät durch Livestreaming und zeitversetzte Nutzung der Sendermediatheken am Computer kompensiert wird. In einem solchen Fäll hätten wir es nicht mit einem geringeren Interesse an Fernsehsendungen zu tun, sondern lediglich mit einer Veränderung des Rezeptionsmodus. Für diese These sprechen die allenthalben steigenden Abrufwerte der Mediatheken. Da personenidentische Messungen beider Nutzungsmodi aber nicht vorliegen, steht eine zweifelsfreie Klärung noch aus.“

Camille Zubayr, Heinz Gerhard: Tendenzen im Zuschauerverhalten: Media Perspektiven 03/2013, S. 130 ff.

 

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