Dokus im ERSTEN: Eine Entscheidung, zwei Meinungen

„In einer Zeit, in der Politikberichterstattung und gesellschaftlich relevante Themen bei der kommerziellen Konkurrenz kaum mehr eine Rolle spielen, setzt die ARD mit der Vereinheitlichung der Tagesthemen-Anfangszeiten, mit fünf excellenten Talkshows und festen Sendeplätzen für Dokumentationen, Dokumentarfilme und politische Magazine ein klares Signal für den Mehrwert öffentlich-rechtlichen Fernsehens,“ betont der ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust nach der Berliner Intendantenklausur.

Für Volker Herres, Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen, ist klar: „Die Talks im Ersten werden auch im neuen Programmschema ihr eigenes klares Profil haben. Dazu gehört selbstverständlich eine sinnvolle Abstimmung von Themen und bei der Gästeauswahl. Filmische Informationsformate bleiben ein wesentlicher Bestandteil unseres Programms. Das Erste bleibt seiner Tradition treu und wird auch künftig zwölf 90-minütige Dokumentarfilme im Jahr ausstrahlen. Noch bessere Chancen eröffnet das neue Sendeschema den inhaltlich hoch anspruchsvollen Dokumentationen und Features, die bislang mittwochs um 23.30 Uhr gesendet werden.“

 

Das hört sich doch gut an, oder? Doch warum kommen nicht einmal jeden vierten Montag 90minütige Dokus? Was kommt an den anderen Montagen? Warum gibt es keine längeren, unformatierten Dokus? Und was wird aus den bisherigen Montagsdokus? Kommen sie montags statt 21 Uhr dann 22.45 Uhr? Oder kommen sie ab und zu, wenn kein Fußball ist, am Mittwoch? Bleibt die Gesamtsendezeit für Dokus überhaupt gleich? Zudem: Während gegen 21 Uhr insgesamt über 30 Mio. Menschen fernsehen, sind es gegen 22.45 Uhr weniger als die Hälfte. Die Quote gegen 22.45 müsste als weit mehr als doppelt so hoch sein. Erst dann hätte man die gleiche Reichweite, mithin gesellschaftliche Relevanz.

 

Und so ist klar, dass diese Erklärung zur Entscheidung für die AG DOK ein „Meisterstück im Nebelwerfen“ ist. Denn die „Streichung eines kompletten dokumentarischen Sendeplatzes wird dadurch verbrämt, dass ein Mittwochstermin auf den Montag rückt – offenbar hofft man, dass der systematische Ausstieg aus der filmischen Darstellung der Wirklichkeit dadurch weniger auffällt. Die Ankündigung, solche Programme vermehrt in den Sommer zu legen, ist erstens keine Neuigkeit, sondern längst Programm-Realität – und zweitens verhöhnt sie all jene, die von der ARD ein erkennbares, ernsthaftes und dauerhaftes Engagement für den Dokumentarfilm fordern. Dokumentarisches Fernsehen ist nicht „zweite Wahl“ und kein Lückenbüßer für die Saure-Gurken-Zeit, sondern er steht im Kernbereich des öffentlich-rechtlichen Programmauftrags. Ihn aus der Versenkung zu holen, wenn das Publikum gerade im Biergarten sitzt und die Talkshows aus gutem Grund Pause machen – und das auch noch als “Aufwertung” zu verkaufen, offenbart den Zynismus des ARD-Programmchefs, der sich offensichtlich über alle Kritik erhaben fühlt.“

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