Filmkritik: „Berlin 36“

Die USA hatten mit Boykott gedroht. Sie verlangten, dass auch Juden sich für das deutsche Olympia-Team qualifizieren können. Und so kamen die Nationalsozialisten auf die Idee, eine jüdische Hochspringerin, Gretel Bergmann, in den deutschen Kader aufzunehmen. „Weil sie aber nicht gewinnen durfte, schickten die Nazis einen Transsexuellen ins Rennen – und schlossen Gretel Bergmann dennoch aus“, schreibt Hanno Reichle in seiner Filmkritik auf sueddeutsche.de

 

„Nach verschiedenen Quellen ersetzte Dora Ratjen nicht – wie oft vermutet – die am Start gehinderte Gretel Bergmann, sondern war lediglich das verbliebene zweite Teammitglied bei drei Startberechtigungen für den deutschen Kader. Der dritte Platz blieb unbesetzt, um gegenüber der Weltöffentlichkeit behaupten zu können, man halte ihn für die verletzte Gretel Bergmann frei.“ So steht es bei wikipedia.

Der Film stellt vor allem eine sich entwickelnde Beziehung zwischen den beiden Hochspringerinnen in den Mittelpunkt. Hanno Reichle stellt fest, dass der Film „überfrachtet wurde, dass das historische Korsett drückt, dass die für zwei Schicksale dann viel zu knappe Zeit die Handlung schnürt und sie viel zu dünn erscheinen lässt.“ Allerdings sei es eine Leistung, die Geschichte „überhaupt“ zu entdecken. Man schaue dem Ensemble „ganz gerne zu“. Das Thema passe in die Zeit, da bald in London die 30. Olympischen Spiele beginnen würden. Doch seit wann reicht es aus, ein Thema zu entdecken? Und wieso passe das Thema in die Zeit? Dies suggeriert eine Aktualität, die es nicht gibt.

Der Film startete am 10. September 2009 im Kino und hatte bis zum 30. Juni 2010 über 53.000 Zuschauer im Kino. Heute, fast drei Jahre später, läuft er als Mittwochsfilm im ERSTEN.

 

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