Für Produzentenverbände gehört Kinofilm zur Grundversorgung bei ARD und ZDF

 

„Pünktlich zur Verleihung der Deutschen Filmpreise hat eine Koalition von 13 Lobby-Verbänden – darunter die Produzenten-Allianz, der Regie- und der Schauspieler-Verband, Kamera- und Drehbuchgilde, AG Dok, Spitzenorganisation der Filmwirtschaft und die Deutsche Filmakademie – einen kollektiven Appell an ARD und ZDF gerichtet. Sie fordern, dass 3,5 Prozent der über 7 Milliarden Euro Gebühreneinnahmen dauerhaft in Kinofilme investiert werden sollen“, meldete am Freitag der Tagesspiegel.

 

Dabei bezog er sich auf einen Zeitungsartikel im Feuilleton in der Süddeutschen Zeitung. Diese hatte schon am Donnerstag über das berichtet, was am Freitag vorgestellt wurde.

Am selben Tag wurde der Filmproduzent Uli Aselmann, der auch Vorsitzender der Sektion Kino sowie stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Allianz deutscher Produzenten Film und Fernsehen ist, vom Deutschlandradio Kultur interviewt.

 

In ihrer Resolution forderten die Verbände u.a.:

3,5% der jeweiligen Gesamthaushalte von ARD und ZDF dauerhaft in Kinofilme zu investieren (Co-Produktion, Lizenzerwerb, Filmförderung) und dabei jeweils mindestens 70% für Kinofilme deutschen und europäischen Ursprungs vorzusehen. Einsparungen in den Gesamtetats der Sender dürften nicht weiter zu Lasten des Programms gehen. Zudem müssten Kinofilme eine bessere Präsenz im Programm der öffentlich-rechtlichen Sender erhalten. Dazu seien im ersten Programm der ARD und im ZDF jährlich jeweils mindestens 8 Sendetermine in der Primetime für deutsche Kino-(Co-) Produktionen vorzusehen und weitere 12 Sendetermine jährlich in beiden Sendern in der „Second“ Primetime (Beginn 22.15 bis spätestens 22.45 Uhr) mit deutschen Kino-(Co-) Produktionen zu programmieren. Die Beteiligung der Sender an den finanziellen Kosten dürfe nicht in erster Linie von der Erwartung bestimmter Quoten abhängig gemacht werden, sondern muss sich an der zu erwartenden künstlerischen Qualität der Filme orientieren.

Schon am selben Tag, dem Donnerstag, wiesen ZDF und WDR die Forderungen der Verbände zurück. Die ARD folgte am Freitag.

WDR-Fernsehdirektorin Verena Kulenkampff erklärte: „Der WDR ist und bleibt ein verlässlicher Partner der deutschen Filmwirtschaft. Weder haben wir im WDR unsere Mittel für Kino reduziert noch planen wir es für 2014.“

Es sei schlicht nicht wahr, so ZDF-Programmdirektor Dr. Norbert Himmler, dass das ZDF sein Engagement beim deutschen Film reduziere. „Das ZDF hat seit 2008 die Kinofilmförderung im Gegenteil sogar ausgeweitet. Wir haben mehr Filme mit höheren Beteiligungsquoten gefördert.“ Die Leistung des ZDF liege in absoluten Zahlen etwa auf dem Niveau der ARD, obwohl das ZDF weder über vergleichbare Gebührenmittel noch über vergleichbare Programmplätze verfüge.

 

Und für die ARD erklärte MDR-Intendantin Prof. Karola Wille, dass die ARD auch künftig für die Pflege der Kino-Filmkultur einstehen werde. Das Film-Engagement sei auch in den Programmleitlinien für die Jahre 2013/2014 ausdrücklich festgeschrieben und schließe Kino-Koproduktionen mit ein. In einem aktuellen medienpolitik.net-Interview hatte sie schon zuvor betont, dass die ARD weiterhin Kino-Spielfilme durch Koproduktionen mitfinanziere. Von 2008 bis 2011 sei der ARD-Anteil an Kinokoproduktionen von 11 Mio. Euro auf 16 Mio. Euro gestiegen.

 

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hat laut Berliner Zeitung vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen mehr Unterstützung für den deutschen Kinofilm gefordert. Mit der Nutzung des deutschen Kinofilms würden ARD und ZDF „keinen mildtätigen barmherzigen Beitrag“ leisten, sagte Neumann am Freitag bei der Vergabe des Deutschen Filmpreises in Berlin. Der Kinofilm gehöre zur Kultur, die in die Grundversorgungspflicht der öffentlich-rechtlichen Sender falle.

 

Leider blieben die Sender weitere konkrete Zahlen, aus denen sich die Entwicklung des Kinofilmengagements innerhalb der letzten Jahre ablesen ließe, schuldig.

 

 

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