IFA @ Medienwoche Berlin Brandenburg

Berlin, 06.09.2010

 

Less is more? Die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“, damit begann die diesjährige Medienwoche Berlin-Brandenburg, die seit einigen Jahren zeitgleich mit der IFA läuft. Den Auftakt machte eine Keynote der BBC-Managerin Caroline Thomson, die per Voice over IP in den Konferenzsaal zugeschaltet war, da sie aufgrund von strukturellen Veränderungen und laufenden Verhandlungen ihrer Fernsehanstalt nicht persönlich anreisen konnte. Ihre persönliche Botschaft bestand im Kern darin, dass die BBC sich beschränken muss. Programmlich will sich der britische öffentlich-rechtliche Rundfunk zunehmend auf die Produktion von journalistischen Qualitätsprogrammen beschränken. Sparen bedeutet für die BBC auch finanzielle Einbußen der Führungsebene, so Caroline Thomson. Deren Gehälter wurden bis auf weiteres eingefroren.

 


(Foto © Jörg Wagner)

 

Interessant wurde es dann beim anschließenden Vortrag „Ein Jahr und drei Stufen: Die Zukunft der elektronischen Medien aus der Perspektive einer ARD-Intendantin“ durch rbb-Intendantin Dagmar Reim. Zunächst kritisierte sie den 3-Stufen-Test, den der Telemedienbestand der ARD seit dem letzten Rundfunkänderungsstaatsvertrag durchlaufen muss. Der Aufwand des Testes übersteige teilweise den Aufwand der Produktion der eigentlichen Netzangebote, so Reim.

 

Der Test hatte zudem zur Folge, dass die ARD mehr als eine Million Dokumente aus ihrem Bestand löschen musste: Sportschau.de umfasse nur noch die Hälfte des Angebotes, die Nachrichtenseiten von ndr.de seien um 79% geschrumpft, der SWR habe 80% seiner Inhalte gelöscht, sagte Reim. „Menschen, deren Beruf es ist zu publizieren, sind derweil mehr mit dem Depublizieren beschäftigt. Sie verstehe die Sehnsucht der Verlage nach einem funktionierenden Geschäftsmodell im Internet. „Diese Sehnsucht wird sich nicht erfüllen durch gebetsmühlenartiges ARD und ZDF-Bashing und solange Spiegel online – weit vorn im Markt – kostfrei zur Verfügung steht“, bekräftigte Reim.

 

Zum Schluss machte die rbb-Intendantin noch eine brisante Ankündigung. Sie verlautete wortwörtlich: „Es wird weniger“. Sie wollte jedoch nicht präzisieren, welche Programme betroffen sein werden. Derzeit verhandele man noch in Kollegenkreisen darüber, sagte Reim und verabschiedete sich mit den Worten: „Sie werden es sehen, Sie werden es hören und wenn es gut geht, werden Sie es auch lesen!“


Zum Nachhören der gesamten Keynote:

{accesstext mode=”level” level=”author”} Um die Audio und Videodateien des Artikels abspielen zu können, müssen Sie sich anmelden. || >{mp3}20100906_reim_dagmar_mw_keynote{/mp3}< {/accesstext}

Dagmar Reim, Intendantin Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb)


Berlin, 07.09.2010

Das große Highlight der diesjährigen IFA war jedoch die Keynote von Dr. Eric Schmidt, CEO von Google.





Die Nachfrage nach „Mobile Services“, also das mobile Web, wachse laut Eric Schmidt achtmal schneller als das – wie er es nennt – „Desktop-Web“ vor zehn Jahren. Auch Google hat dies erkannt und will seine Unternehmensstrategie auf das mobile Web ausrichten. Nicht allzu lang ist es her, da hat Google das Betriebssystem Android für Smartphones entwickeln. Laut Prognosen soll Google mit seinen Android-Handys in zwei Jahren schon Apple mit seinen Iphones überholt haben.


 

Natürlich war die Keynote von Eric Schmidt auch eine Google-Produkt-Show. So arbeitet Google bereits an dem sehenden Handy. „Google Goggles“ heißt die Technologie. Und so funktioniert sie: In allen Handys sind Fotokameras eingebaut. Wenn man sein Handy auf ein Objekt hält, macht die Kamera ein Foto und vergleicht dieses mit Informationen aus dem Netz. Eine Erkennungssoftware liefert die passenden Informationen dazu und zwar auch in anderen Sprachen. So mutiert ein Smartphone zu einer Instant-Übersetzungsmaschine.


„Eine Funktion, die wir erst vor kurzem ins Leben gerufen haben heißt optische Buchstaben-Erkennung und Übersetzung. Zum Bespiel: Sie befinden sich in Brasilien in einem Restaurant und Sie schlagen die Speisekarte auf und alles steht da auf Portugiesisch, sie sprechen aber kein portugiesisch. Dann machen sie ein Foto davon und ihr Handy übersetzt die Speisekarte auf Deutsch“, erläuterte Produktmanager Hugo Barra dem Publikum. Viele der Ausführung Eric Schmidts und seiner Crew klangen wie Science- Fiktion, sind aber im Grunde genommen schon nahe Zukunft.


 

Die Fotos von Eric Schmidt stammen von Fotograf Stephan Röhl http://www.stephan-roehl.de/

 

Zum Nachhören der gesamten Keynote:

{accesstext mode=”level” level=”author”} Um die Audio und Videodateien des Artikels abspielen zu können, müssen Sie sich anmelden. || >{mp3}20100907_schmidt_eric_keynote{/mp3}< {/accesstext}

Dr. Eric Schmidt, Chairman of the Board und CEO Google, Inc.

 

Fazit:
Wissenswert: *****
Unterhaltungswert: *****
Kontaktwert: *****
Ambiente: ****

Kommentar verfassen

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
"Die aktuelle Höhe des Rundfunkbeitrags von 17,50 Euro entspricht längst nicht mehr dem realen Aufwand", sagte der BR-Rundfunkratsvorsitzende Lorenz Wolf. "Legt man die derzeitige Rücklagenentnahme auf die Höhe des monatlichen Beitrags um, dann werden heute real 18,35 Euro verausgabt. Diese Rücklage wird bis 2020 gänzlich erschöpft sein. Mit 17,50 Euro wäre der vorgelegte Wirtschaftsplan 2019 nicht realisierbar." Dwdl.de, 06.12.2018 Weiterlesen    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)