Klick-Tipp: Pluralität der wirtschaftsjournalistischen Ausbildung in Deutschland

Die Qualität der wirtschaftsjournalistischen Berichterstattung führt seit Jahren zu Auseinandersetzungen und Kontroversen. Kritisiert wird, dass einseitige Sichtweisen dominieren und konzeptionelle Vielfalt nicht genügend abgebildet wird. Unsere empirisch breit angelegte Studie geht der Frage nach, wie wirtschaftswissenschaftlich plural und reflexiv Wirtschaftsjournalist*innen ausgebildet und qualifiziert werden. Grundlegende Qualifizierungszugänge werden identifiziert, über 300 Modulangebote aus 17 Studiengängen von sechs Universitäten und drei Hochschulen untersucht. Ergebnis: Die wirtschaftsjournalistischen Zugänge zeichnen sich nicht durch inhaltliche Breite aus, sondern haben eine wirtschaftspolitische Schlagseite. So wird etwa der Pluralismus-Debatte in den Wirtschaftswissenschaften kaum Rechnung getragen. OBS-Studienautor Sagvosdkin bilanziert: „Vermutlich ist angehenden Wirtschaftsjournalist*innen kaum bewusst, dass sie in ihrer Ausbildung wenig Fachwissen aus den Wirtschaftswissenschaften, sondern überwiegend eine neoklassische Monokultur vermittelt bekommen“.

Zusammenfassend benennt der Autor drei Qualitätskriterien, die in der wirtschaftsjournalistischen Ausbildung berücksichtigt werden sollten. Erstens muss ein Überblicks- und Kontextwissen zur pluralen Ökonomik, das die Schwerpunkte von Theorieschulen mit einschließt, vermittelt werden. Zweitens muss die Fähigkeit zur Meta-Reflexion der Ökonomik vermittelt werden. So muss die Nicht-Neutralität von wissenschaftlichen Theorien mit vermittelt werden. Drittens muss auch Wissen über den Zustand der Volkswirtschaftslehre mit vermittelt werden. Die Debatten um eine Plurale Ökonomik auf der einen und wirtschaftsjournalistische Vielfalt auf der anderen Seite müssen thematisiert und reflektiert werden.

Eine Studie der Otto-Brenner-Stiftung (pdf)

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Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
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Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)