MDR-Intendant: Forderungen und Anforderungen (II)

Die Medien haben keine Freiheit an sich, sondern eine „dienende Freiheit“. Sie sollen der Demokratie dienen, indem sie einen wesentlichen Beitrag zur öffentlichen Meinungs- und Willensbildung leisten. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit seinen Angeboten in Information, Kultur, Bildung und Unterhaltung ist dabei unverzichtbar. Dies kann er durch ein plurales Programmangebot leisten – im Gegensatz zu rein privatwirtschaftlich organisierten Sendern, deren Programminhalt sich vor allem an Vermarktungsinteressen orientiert.

 

Der MDR wird durch die Gebühren der Bürgerinnen und Bürger finanziert. Als eine öffentliche Einrichtung ist er den Gebührenzahlern auf Euro und Cent rechenschaftspflichtig. Deshalb muss er für Transparenz seiner Strukturen und Entscheidungen sorgen. Dazu gehört auch ein jährlicher Produzentenbericht, der offenlegt, wer für welche Aufgaben bzw. Aufträge welche Gelder bezogen hat.

Wenn in Zukunft alle unabhängig von ihrer Rundfunknutzung den Rundfunkbeitrag zu bezahlen haben, so muss der MDR auch allen Zielgruppen Angebote machen. Dies gilt für Radio, Fernsehen und Internet. Abgesehen davon, dass der MDR auch in seinem Fernsehprogramm Jugendangebote machen kann, ist die ARD gefordert, die Lücke zwischen dem Kinderkanal und dem ERSTEN mit einem Jugendkanal zu schließen.

Der MDR ist über die Grenzen seiner Vertragsländer hinaus zu empfangen. Deshalb sollte er als Heimatsender auch die besondere Situation der Region wie auch historisch bedingte besondere Sichtweisen ausreichend journalistisch wiederspiegeln. Als einziger ostdeutscher Sender muss der MDR im ERSTEN über den Unterhaltungsbereich hinaus journalistisch präsent sein.

Die Digitalisierung ist für die Gesellschaft wie auch die Medien eine der zentralen Zukunftsheraus-forderungen. Die öffentliche Meinungs- und Willensbildung wird immer stärker auch durch Internetan-gebote bestimmt. Deshalb muss der öffentlich-rechtliche Rundfunk dort auch seinen Platz haben. So ist es folgerichtig, dass der MDR ein trimediales Newsdesk unter Leitung eines trimedialen Chefredakteurs einrichtet. Dadurch kann der MDR seine journalistischen Kompetenzen in der Verbindung von Fernsehen, Radio und Internet stärker für Qualitätsjournalismus nutzen und sein Angebot ausbauen.

Qualitätsjournalismus kann ein Teil des Gedächtnisses der Gesellschaft im Internet werden. Und so ist die Medienpolitik gefordert, längere Verweildauern im Internet zu ermöglichen. Ein „beschränkter“ MDR wird die Verleger mit ihren Zeitungen nicht retten. Den MDR zu schwächen, würde keineswegs die privaten Verlage stärken. Vielmehr sind gemeinsame Strategien gefragt, um mit globalen Konzernen, die lokale Angeboten machen, mithalten zu können.

Schon lange erhält der MDR durch hohe Befreiungsquoten und Bevölkerungsrückgang nicht mehr die Mittel, die ihm von der KEF zuerkannt wurden. Das muss sich ändern. Das ERSTE der ARD kostet ca. 1,4 Mrd. Euro, die Gemeinschaftseinrichtungen der ARD über 1,3 Mrd. Euro. Deren Ausgaben steigen. Der MDR zahlt davon über 10%. Die entscheidenden Abstimmungsprozesse laufen dazu in der ARD. Dort muss der Intendant mit Anderen Bündnisse schmieden und so auch Freiräume für den MDR erstreiten. Das ist Grundvoraussetzung für viele weitere mögliche Veränderungen im Sender.

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"Die aktuelle Höhe des Rundfunkbeitrags von 17,50 Euro entspricht längst nicht mehr dem realen Aufwand", sagte der BR-Rundfunkratsvorsitzende Lorenz Wolf. "Legt man die derzeitige Rücklagenentnahme auf die Höhe des monatlichen Beitrags um, dann werden heute real 18,35 Euro verausgabt. Diese Rücklage wird bis 2020 gänzlich erschöpft sein. Mit 17,50 Euro wäre der vorgelegte Wirtschaftsplan 2019 nicht realisierbar." Dwdl.de, 06.12.2018 Weiterlesen    
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