Rundfunkbeitrag (III): Warum man die Mehreinnahmen – sie wie von der Produzentenallianz gefordert – nicht einfach den Produzenten zuschlagen kann

„Sollten aus der Umstellung auf die Haushaltsabgabe tatsächlich nennenswert steigende Einnahmen entstehen, wäre das eine Chance für das deutsche Fernsehen, den deutschen Film und damit auch für die Zuschauer. Diese Mehrerlöse könnten dem jahrelangen Einfrieren der Programmhaushalte und der faktischen Kürzung der Produktionsmittel entgegenwirken und die konkret drohende Verarmung des audiovisuellen Schaffens in Deutschland verhindern.“ So lautet der Vorschlag der Allianz Deutscher Produzenten – Film & Fernsehen.

 

Sicher, ein Lobbyverband versucht für seine Mitglieder das Beste und Meiste herauszuholen. Doch musste man nicht auch danach fragen, unter welchen Bedingungen diese Mehrerlöse verteilt werden können? Und ist nicht auch zu klären, auf wessen Kosten diese Mehrerlöse zusammengekommen sind? Zugespitzt dargestellt: Menschen mit Behinderungen, Nur-Radio-Hörer, Rundfunkverweigerer, Jugendhäuser und Kitas sowie Unternehmen mit vielen Filialen sowie bürgernahe Kommunen mit vielen Außenstellen sollen die deutschen Produzenten stützen.

 

Zu fragen ist auch, ob etwaige Mehreinnahmen bei den Produzenten ankommen werden. Dazu nur ein Beispiel: Die Produzentenstudie habe nachgewiesen, „dass zum Beispiel beim ‚Tatort‘ die Minutenpreise seit 2004 nicht nur nicht gestiegen, sondern sogar gefallen sind. Standen 2004 für eine Folge noch durchschnittlich 1,43 Mio. Euro bereit, waren es 2011 nur 1,27 Mio. Euro.“

Doch in 2004 lagen die Einnahmen aus der Rundfunkgebühr bei 6,85 Mrd. Euro. 2011 waren es dann 7,53 Mrd. Euro. Über die Rundfunkgebühr wurden also 680 Millionen Euro mehr eingenommen, beim Tatort wurden im Schnitt 160.000 Euro je Film eingespart.

 

Wer garantiert denn also, dass das Geld, das man ARD und ZDF zusätzlich überlassen würde, auch zusätzlich in Produktionen fließt? Sicher, schon heute müssen viele „Schauspieler, Kreative und andere Filmschaffende am Rande von prekären finanziellen Verhältnissen leben.“ Doch wer daran etwas ändern will, muss sich vor allem mit den Strukturen und Prioritäten von ARD und ZDF beschäftigen.  Dazu nur ein Beispiel: Wenn man die Sportausgaben bei ARD und ZDF nur halbieren würde, hätte man 2014 über 400 Millionen Euro für anderes zur Verfügung gehabt.

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"Die aktuelle Höhe des Rundfunkbeitrags von 17,50 Euro entspricht längst nicht mehr dem realen Aufwand", sagte der BR-Rundfunkratsvorsitzende Lorenz Wolf. "Legt man die derzeitige Rücklagenentnahme auf die Höhe des monatlichen Beitrags um, dann werden heute real 18,35 Euro verausgabt. Diese Rücklage wird bis 2020 gänzlich erschöpft sein. Mit 17,50 Euro wäre der vorgelegte Wirtschaftsplan 2019 nicht realisierbar." Dwdl.de, 06.12.2018 Weiterlesen    
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