Sind Korruption und Betrug individuelle Ausnahme oder Ausdruck des Systems?

„Korruption und Betrug sind in Politik und Wirtschaft keine Ausnahme, sondern die Regel. Deshalb ist die Auswahl eines Einzelnen willkürlich, da dieser ja in einer Gruppe agiert und sich deren Sitten anpaßt. Wir bestrafen ihn für etwas, das für ihn selbst nur ein konformes, artgerechtes Verhalten war“, stellt Alexander Dill auf Telepolis fest und führt weiter aus:

 

„Klaus Ott von der Süddeutschen recherchierte den Fall des mit 44 Millionen Dollar bestochenen BayernLB Finanzvorstandes Gerhard Gribkowsky. Der sitzt seit 6 Monaten in U-Haft, während Bernie Ecclestone frei herum läuft und seine Formel I in allen Medien – auch in der SZ – weiter als “Sport” weiterläuft. Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen. Kaum ein Medium wagt es, gegen den Hinterzimmer-Hasardeur Ecclestone zu schreiben.“

Nun, ein Journalist kann nur darüber schreiben, was ist, was er recherchiert, erfahren hat. Er kann die Strafverfolgung nicht übernehmen, schon gar nicht international. Er kann auch nicht seine Kollegen aus anderen Redaktionen auf eine Linie festlegen.

Wenn man diese Feststellungen aktuell auf den MDR überträgt, so ist zu fragen, ob es ein „System Foht“ gibt. Oder ist es System in der Unterhaltungsbranche? Wie laufen denn hier die Geschäfte? Rechnet es sich, wenn man 100.000 Euro für eine Show gibt und danach 100.000 CDs verkauft? Wie werden Menschen zu Stars gemacht? Wer verdient daran? Wer sind die großen Profiteure? Wer steht an der Spitze des Systems? Welche Konkurrenten gibt es? Und – welcher Regeln bedarf es, um der eigennützigen Manipulation Grenzen zu setzen?

So hat die Sendergruppe Pro7Sat1 mit Starwatch ihr eigenes Plattenlabel. „Über das klassische Musikgeschäft hinaus zählen das LIVE-Entertainment und die Künstlervermarktung zum Portfolio des Unternehmens. Starwatch Entertainment nimmt eigene Künstler unter Vertrag und baut sie Programm begleitend auf. Die Reichweite der Sendergruppe und die Musikexpertise des Labels tragen maßgeblich dazu bei, die Künstler einem breiten Publikum bekannt zu machen.“

Zurzeit gehören vier Labels zu Starwatch Entertainment , die mit den großen Plattenfirmen der Branche gegründet wurden: Starwatch Music (mit Warner), WE LOVE MUSIC (mit Universal), Columbia SevenOne Music (mit Sony), EMI 7 Music (mit EMI).

Das Label entwickelt von hauseigenen Formaten unabhängig neue LIVE-Entertainment-Konzepte und arbeitet mit großen Veranstaltern der Branche zusammen. Die Künstlervermarktungsplattform talent management agency (tma) wurde im März 2010 als Gemeinschaftsprojekt von Starwatch Entertainment und der Kommunikationsagentur PerformancePlus gegründet. Sie positioniert und vertritt Künstler, Schauspieler und Moderatoren im Markt.“

Allerdings gab und gibt es für die Volksmusik keinen privaten Fernsehsender. Auch die anderen ARD-Anstalten wollen die Volksmusik nicht zu stark ins Rampenlicht rücken. Denn das Publikum könnte den Altersdurchschnitt der Zuschauerinnen und Zuschauer erhöhen. Udo Foht erkannte in den 90er Jahren, dass das treue Volksmusikpublikum von keinem richtig bedient wird. Auch wenn es eine Minderheit ist, ist es eine große Gruppe. Eine Gruppe, die hohe und weitgehend stabile Quoten garantiert. Die Interessen und Ziele der Akteure (Künstler, Produzenten, Agenturen, Veranstalter) in der Volksmusik sind denen anderer Musikbranchen gleich: Sie wollen Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit. Nur so können sie den Markt für sich erschließen. Dazu brauchen sie das Fernsehen. Dafür sind sie bereit „zu investieren“.

Auch dies hat Udo Foht erkannt. Indem er der Volksmusik einen wesentlichen und für hohe uMsätze notwendigen Bestandteil der Verwertungs- und Vermarktungskette eröffnet hat, hat er dem Sender hohe Quoten zu anteilig geringen Kosten verschafft. In der Produktion hat er die Prinzipien der Branche und damit auch des privaten Rundfunks auf seinen Bereich übertragen. Es gab vor allem Verträge auf Handschlagbasis. Die Produzenten mussten erst einmal ins Risiko gehen. Er ließ erst einmal Formate entwickeln und produzieren. Dies sicherte ihm nicht nur geringere Kosten, sondern auch den größtmöglichen Einfluss in der ARD bzw. im MDR auf die jeweilige Sendung. Er musste sich nicht mit anderen über Konzepte und unterzubringende Stars streiten, er konnte sie entscheiden lassen, eine fertige Sendung zu nehmen – und dies zumeist sehr preiswert. Er wusste um seine Minutenpreise und Sendeplätze, so konnte er auch finanzielle Zusagen treffen. Ein Problem entsteht so nur, wenn er eine Zusage nicht einhalten kann – weil ihm eine fertige Produktion nicht abgenommen wird. Dann kann er sie nicht bezahlen. Dann muss er sich etwas dafür einfallen lassen, sie z.B. mit anderen verrechnen. (Das hat er anscheinend immer wieder gemacht. Darin unterschied er sich von der Praxis der privaten Sender. Bei denen hatte man ohne schriftlichen Vertrag zumeist „Pech“ und blieb auf seinen Kosten sitzen. Durch diese Praxis der Privaten wurden übrigens einige Firmen in die Insolvenz getrieben.)

Der MDR wurde zum wichtigen Bestandteil der Verwertungskette der Volksmusikbranche, ja, zu deren Ausgangspunkt. Udo Foht hat deren Prinzipien in den MDR verlängert. Dazu passten jedoch die MDR-Dienstanweisungen nicht, dafür waren sie nicht gemacht.

Unbekannt ist noch, wozu die einzelnen auf MDR-Briefbogen eingeforderten Summen konkret dienten. Waren es nur Zwischenfinanzierungen für neue Projekte? Dienten sie auch dazu, Ausfälle Dritter, deren Produktionen nicht angekauft wurden, auszugleichen? Oder brauchte er das Geld für sich? Doch dann hätte er es anders machen und einfacher haben können. (Wie das geht, hatte der Herstellungsleiter des Kika gezeigt.) Allerdings: nicht immer handeln Menschen rational.

Nun, wie es gelaufen ist, wohin und wofür die Gelder geflossen sind, da sind die Ermittler gefragt.

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