WDR-Rundfunkrat stänkert indirekt leicht gegen Monika Piel und stark gegen den MDR

In ihren Interviews zum Jahresbeginn führte WDR-Intendantin Für Monika Piel drei Gründe an , warum es keinen ARD-Jugendkanal geben kann: „Da würde Kollegen vom Privatfernsehen ja das Herz stehen bleiben, und medienpolitisch ist das wohl ebenfalls nicht durchsetzbar. Es wäre zudem programmlich außerordentlich schwierig, denn wir müssen auch hier immer öffentlich-rechtlich sein. Aber was bei den jungen Zuschauern zieht – siehe die Top-Ten der jungen Zielgruppe bei den Privatsendern – sind alles keine öffentlich-rechtlichen Formate. Wir haben das Beitragsprivileg – und müssen deshalb schon etwas Anderes anbieten.

Auf die Behauptung, mit öffentlich-rechtlichen Angeboten könne man kaum junge Menschen erreichen, entgegnete ihr Vorgänger im Amt des ARD-Vorsitzenden, dass, wenn man junge Menschen mit verlässlicher Information erreichen wolle, man ihnen auch attraktive Angebote machen müsse, wenn sie zu alt für den „Kinderkanal“ geworden seien. So sagte der Intendant des Südwestrundfunks (SWR) Peter Boudgoust: „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir diese Lücke schließen müssen, denn unser Grundversorgungsauftrag umfasst eben alle Milieus, alle Altersgruppen. Wir können nicht sagen: Der Mensch wird dann wieder mit 25 oder 30 bei uns in den Fokus geraten, sondern wir müssen auch für die prägende Lebensphase dazwischen spezifische Angebote haben.“ Im stern „entgegnete“ Monika Piel: „Das ist seine Meinung, ich sehe das etwas anders. Wir brauchen Programm für jüngeres Publikum – realistischerweise ab 30. Die Jugend ist so heterogen, sie interessiert sich für Angebote, die mit dem öffentlich-rechtlichen Profil kaum zusammenzubringen sind.“

Dies sieht wohl auch der WDR-Rundfunkrat anders. Dieser formulierte in einer „Stellungnahme des Programmausschusses des WDR-Rundfunkrats im Anschluss an das Werkstattgespräch zur „Erreichbarkeit der Jugend““ vom 21. Januar 2011: „Der Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks besteht ausdrücklich darin, alle Interessen und Zielgruppen mit Information, Bildung, Unterhaltung, Kultur und Sport zu versorgen. Um diesem Programmauftrag in allen Zielgruppen gerecht zu werden, muss der öffentlichrechtliche

Rundfunk Angebote auch für jüngere Menschen anbieten, selbst dann, wenn dies auf Kosten der Gesamtquote geht. Dies sollte auch im Eigeninteresse des WDR liegen. Wenn einzelne Zielgruppen sich von den Programmen des WDR abwenden ist es umso schwieriger, die Menschen später mit anderen Angeboten wieder für die öffentlich-rechtlichen Sendungen zu begeistern. Es gibt keinen Automatismus, dass die Menschen mit steigendem Alter sich eher den öffentlich-rechtlichen Programmen zuwenden. Wer in seinem Mediennutzungsverhalten mit den Privatsendern groß geworden ist, wird ihnen auch als

Erwachsener zugewandt bleiben. Dies belegen die Untersuchungen der Medienforschung seit Jahren.“ Und weiter hinten heißt es: „Angebote für ein jüngeres Publikum zu machen ist nicht gleichbedeutend damit, sich des Stils der privaten Konkurrenz zu bemächtigen. Es geht vielmehr darum, einen eigenen Weg zu finden, der dem zu Recht hohen Anspruch an öffentlich-rechtliches Programm genügt. Hierzu bedarf es mehr Mut, eingetretene Pfade zu verlassen und auch Fehler zuzulassen.“

Unter Verweis auf das ERSTE stellt man der WDR-Rundfunkrat einstimmig fest. ,In aller Freundschaft’, ,Familie Dr. Kleist’ oder ,Um Himmels Willen’ sind weder von der Aufbereitung noch von den Themen her geeignet, eine jüngere oder gar jugendliche Zielgruppe anzusprechen.“ Wer will, der findet viele – von anderen Sendern verantwortete – weitere Beispiele im ERSTEN. Doch warum führt WDR-Rundfunkrat – ohne Not – nur „MDR-Serien“ an?

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Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
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