Wie ARD und ZDF sich ihren „Informationsanteil hochrechnen“

Nach einer Studie der Otto-Brenner-Stiftung und „netzwerk recherche“ sank der Informationsanteil im Ersten. Festzustellen sei eine Boulevardisierung bei ARD und ZDF. In der Hauptsendezeit liefen Infotainment und Boulevardprogramm – dies sei ein Widerspruch zum öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrag, so das Fazit der Studie von Fritz Wolf. Dem widersprach Volker Herres als Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen: Der Informationsanteil im Ersten sei mitnichten zurückgegangen, vielmehr blieb er in den letzten Jahren konstant. So lag der Informationsanteil 2010 bei 43 Prozent.

Über die Auseinandersetzung hatte ich hier schon berichtet. In der Süddeutschen Zeitung hatte Katharina Riehl schon vor einiger Zeit geschildert, wieso unterschiedliche Einrichtungen zu unterschiedlichen Zahlen kommen. „Die AGF ist der Zusammenschluss von ARD, ProSiebenSat1, RTL, ZDF und seit kurzem des Pay-Kanals Sky. Für deren Statistiken codieren die Sender ihre Programme selbst – als Unterhaltung oder als Information. Die Göfak erstellt ihre Codierungen für die Landesmedienanstalten, die über die Programme wachen sollen. Auch weitere Institute erstellen Programmanalysen.“

Gerhard Graf, der Geschäftsführer des privaten Instituts GGmedia, habe vor der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten im März 2011 einen Vortrag gehalten, bei dem er Beispiele der Codierung nannte. So codiere Graf zufolge zum Beispiel die ARD ihre Sendung Tim Mälzer kocht bei der AGF als Information, das ZDF handhabe dies so bei der Sendung Küchenschlacht und Wetten, dass . . ? – Die Promi Party.

Warum zählen für die ARD zum Beispiel Kochshows zur Information? Die ARD erklärte laut Katharina Riehl, bei einer Sendung wie Tim Mälzer kocht stehe „die Information über die Zubereitung von Speisen im Vordergrund“ – das sei weder Show noch Fiktion. „Nur Informationssendungen werden auch als solche codiert.“ Mit den Zahlen der AGF weist die ARD nach eigenen Angaben ihren Informationsanteil seit Jahren zwischen 40 und 50 Prozent aus. Zieht man zum Vergleich die Zahlen der Göfak heran, ergibt sich ein anderes Bild. Hier wird genauer differenziert: Zwischen den Kategorien Information und Unterhaltung gibt es auch die Mischkategorie „Information und Unterhaltung“ – in diesen Bereich fallen auch Kochsendungen. Bei der reinen Information kommt die ARD hier auf einen Anteil von – immer noch – 37 Prozent.

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