Zitiert: Community Radios als Stimme einer Mehrheit

In Lateinamerika kommt Community Radios historisch gesehen und aktuell eine wichtige Bedeutung zu. Die Region gilt als die Wiege der Community Radios – in Argentinien erhalten sie seit 2009 rechtliche Anerkennung. In Deutschland fordern Freie Radios diese Art der Anerkennung ebenfalls. Ein Vergleich. …

Dass Community Radios weltweit von Bedeutung sind, lässt sich am Beispiel der NGO World Association of Community Radio Broadcasters (AMARC) erkennen. Diese findet ihre Anfänge im Jahr 1983 und organisiert die Interessen von mittlerweile 4000 Mitgliedern in 150 Ländern unter ihrem Dach.

Auch die UNESCO stellt die Wichtigkeit von Community Radios, besonders für überwiegend isolierte und marginalisierte Gruppen, fest. …

Die Lateinamerikanische Geschichte ist geprägt von verschiedenen Diktaturen. Auch in Argentinien. Ab 1976 herrschte nach der Verhaftung der damaligen Präsidentin Isabel Martinez de Perón über sieben Jahre hinweg eine Militärdiktatur in Argentinien. Die entsprechenden Mediengesetze wurden in dieser Zeit hauptsächlich durch die repressive Miltärdiktatur angeordnet. 1980 wurde in Argentinien ein Rundfunkgesetz erlassen, welches noch bis 2009 Gültigkeit hatte. 2009 wurde dann das Gesetz No 26,522 zu Audiovisuellen Kommunikationsdiensten eingeführt. „Diese Änderung kam vielleicht spät, hatte aber eine immense Bedeutung für die Community Radios im Land“, erklärt María Soledad Segura, stellvertretende Professorin an den Fakultäten für Sozial und Kommunikationswissenschaften der Universidad Nacional de Cordoba. Denn das in 2009 eingeführte Gesetz erkennt „Community Media“ als dritte Säule des Mediensystems an und habe die Community Radios in Argentinien sowie die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Community Radios aus der Illegalität geholt. …

Tatsächlich ist Argentinien der Bundesrepublik Deutschland in dieser Hinsicht um einiges voraus. Zum einen zählt der Bundesverband für Freie Radios Deutschlandweit gerade mal 34 Freie Radios auf seiner Homepage auf und zum anderen hat der Rundfunkstaatsvertrag im Jahr 2020 eine neue Fassade erhalten und heißt nun Medienstaatsvertrag. In Deutschland besteht ein duales Rundfunksystem – es besteht also aus Privaten und Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkveranstaltern. Nicht- kommerzielle Radios zählen nach der Neuerung des Rundfunkstaatsvertrages (Freie Radios, aber auch Offene Kanäle) weiterhin zum privaten Rundfunk und sind nicht explizit als eigenständiger Pfeiler des Rundfunksystems anerkannt. Die Finanzierung ist somit weiterhin Sache der Bundesländer und weder garantiert, noch einheitlich geregelt. Genau das fordern aber sowohl der „Bundesverband Freie Radios“ als auch der „Bundesverband Bürgermedien“.

Wiebke Johanna Jung, ejo-online.de, 26.8.2022 (online)

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Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
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Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)