Zitiert: Das Gendern gefährdet Deutsch als einheitliche Sprache

Gegenderte Sprache möchte, dass wir Sprachliches zugunsten von Nichtsprachlichem aufgeben …

Die jüngere Grammatikografie arbeitet korpusbasiert, d. h. sie gründet ihre Aussagen auf dem, was tatsächlich gesprochen oder geschrieben wird. Ihr ist früh und gründlich eingeschrieben, was unter Digital Humanities firmiert. Die Frage ist für den Grammatiker nicht, ob es Anfang dieses Jahres oder Anfang diesen Jahres heißt, sondern unter welchen Bedingungen jede der beiden Formen verwendet wird und warum sie gerade so und nicht anders gebraucht werden. In einem Satz: Moderne Grammatikschreibung expliziert die sprachliche Form und geht ihrer Funktion nach. Was sie beschreibt, versucht sie in einem ganz schlichten, meinetwegen konventionellen Sinn zu erklären. …

Wenn Grammatiker gegenderten Formen zu Leibe rücken, geht es nicht um Grammatik, sondern es geht um Sprache. Ohne grammatische Begriffe kann man gar nicht präzise und konkret verständlich über Sprache reden. Gegenderte Sprache möchte uns nicht einen bestimmten Sprachgebrauch vorschreiben, sondern sie möchte erreichen, dass wir Sprachliches zugunsten von Nichtsprachlichem wie dem Genderstern aufgeben. Wir Grammatiker verteidigen in diesem Zusammenhang nicht uns selbst oder unsere Privilegien, sondern wir verteidigen das höchste soziale und politische Kulturgut, das wir haben. Es hat viele Jahrhunderte gedauert, bis das Deutsche eine einheitliche, im gesamten Sprachgebiet verständliche Sprache erreicht hatte.

Peter Eisenberg, berliner-zeitung.de, 2.8.2022 (online)

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