Zitiert: Eine Chance für ARD und ZDF

Eine wichtige Funktion des ÖRR wäre es, das hochwertige Material für solche Gemeinschaftserlebnisse zu bieten, und zwar mit einer Attraktivität, die es auch jenseits der Fußball-WM möglich macht, dass man auf Leute trifft, die am Vorabend das Gleiche geschaut haben wie man selbst. Mehr noch: der öffentlich-rechtliche Rundfunk sollte sich als Produzent von Geschichten verstehen, mit denen wir die großen Fragen und Herausforderungen unserer Zeit und unserer Gesellschaft in ihrer Komplexität diskutieren können, ohne dass wir uns sogleich über diesen oder jenen Fakt zerstreiten. Serien wie „Sloborn“ über eine fiktive Pandemic oder „Der Informant“ über die Frage, wie der Terrorismus -Verdacht selbst Terror mit hervorbringen kann, zeigen, dass der ÖRR das sogar schon kann.

Man fragt sich, warum solche Formate heute nicht im Hauptprogramm zur besten Sendezeit, sondern in Sparten und Nischensendern oder im Spätprogramm laufen. Solche großen, zugleich spannenden und ergreifenden Produktionen, die der Vielschichtigkeit der Probleme nicht aus dem Weg gehen, die sind die Chance für den ÖRR, von allen, die ihn heute ablehnen und kritisieren, als notwendig und sinnvoll akzeptiert zu werden. Verzichten kann der ÖRR hingegen auf alle Formate, die letztlich die Gesellschaft auseinandertreiben, allen voran die politischen Talkshows, in denen Unversöhnlichkeit und Zerrissenheit genüsslich inszeniert werden, anstatt dass man versucht, Verwandtschaften und Verbindungen von weit entfernten Standpunkten zutage zu fördern.

Jörg Phil Friedrich, welt.de, 06.11.2024 (online, paid)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)