Hannah Arendt hat den Faschismus einmal als, nicht ganz wörtlich, Allianz zwischen Mob und Kapital beschrieben. Und das Kapital, das hinter dem Nationalsozialismus stand, darf man nicht unterschätzen. Mein Vater hat als Historiker viel darüber geschrieben. Diese Unterstützung fehlt den Rechten heute. Das Kapital ist im Wesentlichen internationalistisch, es denkt global. Außerdem sind Faschismus und Nationalsozialismus sehr große Worte. Gegen Fischers berühmte Auschwitz-Rede haben Auschwitz-Überlebende protestiert. Allerdings wollte man ihren Protest in Deutschland nicht drucken, sie mussten ihn als Anzeige schalten. Auch Stalinismus ist so ein großes Wort. In Zeiten des Terrors wurden im Sekundentakt Menschen zum Tode verurteilt. Diese Art von Vergleichen relativieren die riesigen Verbrechen. Ich möchte keine AfD-Regierung, keine Frage, aber dennoch sollte man die Kirche im Dorf lassen. Auch Trump ist nicht gleich Hitler.
Eugen Ruge, berliner-zeitung.de, 28.02.2025 (online)