Zitiert: Gemeinsame Plattform, getrennte Portale?

Braucht es eine gemeinsame Mediathek? […] Doch ist eine All-Inclusive-Mediathek wirklich die beste Antwort auf eine zunehmend fragmentierte, digitale Öffentlichkeit? […]

Privaten, primär profit-orientierten Medien geht es in erster Linie um maximale Verweildauer und Reichweite, die dann über Werbung monetarisiert werden kann. Öffentlich-rechtliche Medien folgen hingegen einem demokratischen Auftrag. Empfehlung und Hervorhebung von Inhalten darf damit nicht nur einer reinen Reichweitenlogik folgen, sondern muss auch anderen Zielen wie Vielfalt und Ausgewogenheit dienen. Dafür braucht es dann aber andere, demokratische Algorithmen. Diese teilweise konträren Interessen in eine Mediathek zu packen ist nicht nur praktisch schwierig, sie unterläuft auch den wichtigsten Beitrag öffentlich-rechtlicher Medien zu demokratischer Öffentlichkeit: dass sie eben einer anderen, demokratischen Logik bei Gestaltung und Präsentation ihrer Inhalte folgen, als die privat-profitorientierten Mitbewerber.

Bei näherer Betrachtung zeigt sich also, dass die Idee der einen, großen Megamediathek keine Antwort auf die Frage nach der digitalen Neuaufstellung öffentlich-rechtlicher Medien liefert, sondern eher neue Probleme bereiten würde. Vielleicht würde es der Debatte dienlich sein, stärker zwischen Plattform und Portalen zu unterscheiden. […]

Gleichzeitig macht es gerade eine gemeinsame technische Plattform schwer, verschiedene Portale mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten, unterschiedlichen Empfehlungsalgorithmen und unterschiedlichen Ausrichtungen zu gestalten. Was spricht beispielsweise gegen ein öffentlich-rechtliches Bildungsportal, in dem nicht nur Inhalte von ARD und ZDF, sondern auch von YouTube entlang von Lehrplänen oder Studiengängen kuratiert angeboten werden? Warum nicht eine Nachrichtenplattform, in der Inhalte von ZDF Heute, ARD Tagesschau und Deutschlandfunk nebeneinander präsentiert werden? Warum nicht ein Portal, das ausschließlich frei lizenzierte Inhalte von ARD, ZDF und Deutschlandfunk bündelt?

Was die Einbindung von privaten Medien betrifft, so wäre der erste und wichtigste Schritt, bei der Entwicklung der gemeinsamen technischen Plattform endlich konsequent auf freie Software und offene Standards zu setzen. Damit wäre sie automatisch auch offen für Beiträge und Beteiligung von privaten Medienanbietern und könnte auf beiden Seiten zu niedrigeren Kosten und besseren technischen Lösungen führen. Leonard Dobusch, netzpolitik.org, 28.03.2023 (online)

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