Zitiert: Haben Verlage denn früher ihr Geld vorrangig mit Journalismus verdient?

Die Antwort ist nein: Bis in die 1990er Jahre wurden die deutschen Tageszeitungen zu rund 60 Prozent aus Anzeigenerlösen finanziert. Schon einer der Gründerväter meines Faches, Karl Bücher, schrieb um 1912, dass die Verlage eigentlich nicht im Nachrichtengeschäft tätig seien, sondern genau genommen in der Produktion und Vermarktung von Zugang zu werberelevanten Zielgruppen. Verlage waren immer (auch) ‚Zeitungsverkäufer‘ mit dem Ziel, knappe Anzeigenfläche zu veräußern. …. Im alten Geschäftsmodell der Tageszeitung sehe ich den Vorteil, dass eine Vielzahl unterschiedlicher Anzeigenkunden für die Querfinanzierung des Journalismus sorgten. Das hat sicherlich Abhängigkeiten reduziert, da es finanziell zu verkraften war, wenn einzelne Werbungtreibende aufgrund scharfer Berichterstattung absprangen. Der „SPIEGEL“ hat das häufig genug unter Beweis gestellt.

Man muss aber ehrlich sein: In der heutigen Marktsituation wird keine solche Anzeigenfinanzierung mehr möglich sein; dazu hat die Digitalökonomie die Wettbewerbsparameter zu stark verschoben. Deshalb sehe ich – wenn man den privatwirtschaftlich finanzierten Journalismus nicht von Vornherein aufgeben möchte – keine Alternative als Experimente mit (möglichst vielen) komplementären Produkten anzustoßen.

Christopher Buschow, META. Das Magazin über Journalismus und Wissenschaft, 23.08.2019 (online)

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