Zitiert: Journalismus bildet zu oft nur Diskussion etablierter Sprecher ab

Ich vertrete nicht die Auffassung, dass die Medien aus Prinzip immer „dagegen” sein müssen. Ich beobachte aber, dass die Medien hierzulande im Prinzip immer „dafür” sind. Denn auch außerhalb von Ausnahmezuständen wie der Corona-Krise ist es die Regel, dass der Journalismus in weiten Teilen eben nicht alles kritisch hinterfragt. Das wäre viel zu teuer. Viel billiger ist es, die Diskussion zwischen etablierten, glaubwürdigen Sprechern in der öffentlichen Arena einfach abzubilden.

Und eben das macht der Nachrichtenjournalismus à la „Tagesschau” — also jener Teil der Berichterstattung, an den die Anforderung der Objektivität und Neutralität am stärksten gestellt werden. Das schmutzige Geheimnis des vermeintlich objektiven, neutralen Nachrichtenjournalismus ist, dass er in Wahrheit nicht die Welt oder die Wirklichkeit objektiv und neutral abbildet, sondern lediglich den Diskurs der politischen Eliten (gegebenenfalls auch der wirtschaftlichen und kulturellen) über diese Wirklichkeit Gibt es in Krisenzeiten — egal ob Corona oder Ukraine — einen starken Konsens zwischen diesen Eliten, keinen Streit zwischen etablierten Akteuren, der abzubilden wäre, dann ist es auch mit der Kritik im Journalismus nicht weit her.

Und das ist wohl auch ein Grund dafür, dass in der Bevölkerung verschwörungsideologisch aufgeladene und die tatsächlichen Verhältnisse stark verzerrende Vorstellungen über das Geflecht von Politik und Medien herrschen.

Uwe Krüger, Sächsische Zeitung, 22.07.2020, (Paid, online)

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Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
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Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)