Zitiert: Journalismus-Förderung – Die Ausgangsthesen sind falsch

Die Diskussion um Journalismus-Förderung in Deutschland basiert auf falschen Annahmen. Wir haben viel mehr Informationen als wir brauchen. […]

Denn: Die Ausgangsthese ist falsch. Wir haben nicht zu wenige Informations-Angebote im lokalen Bereich. Wir haben zu wenig Journalismus, der sich kritisch und distanziert mit staatlichem und institutionellem Handeln auseinandersetzt. […]

Die deutsche Politik glaubt nun, dass, wenn die klassischen lokalen Medien verschwinden würden, die Leute den Kontakt und den Anschluss zur Demokratie verlieren. Einfach, weil sie keine Informationen mehr aufbereitet bekommen. […]

Den Kontakt und Anschluss zur Demokratie verlieren… klingelt da bei dem einen oder anderen Politik-Wissenden aus Sachsen was? Wenn man es böse formulieren will, würde man sagen, das geht auch, wenn es noch ausreichend lokale Medien gibt (dazu braucht man sich nur mal mit bürgerschaftlichen Initiativen unterhalten, die sich für die Demokratie einsetzen). […]

Was bei all den Diskussionen über staatliche Förderung von Journalismus fehlt, ist die Überlegung, was wir da genau eigentlich retten wollen. Ich stelle die These auf: Wir haben nicht zu wenig, wir haben zu viele Informationen. […]

Warum aber will die Politik weiterhin etwas fördern, von dem sich immer mehr Menschen abwenden? Glaubt wirklich jemand in den Ministerien und Parlamenten, dass die Lust der Leute auf Informationen über Politik und politische Teilhabe durch Medien wieder geweckt oder aufrechterhalten werden können? Und das, obwohl sich die Menschen auch schon vor der staatlichen, finanziellen Unterstützung immer seltner damit befasst oder sogar komplett von den Medien abgewendet haben? […]

Die Vorstellung, die lokale Medienlandschaft durch finanzielle Mittel stärken oder „transformieren“ zu können, führt meiner Meinung nach nur zur Verlängerung des Sterbeprozesses einer Branche, die immer weniger Nutzerinnen und Nutzer hat. […]

Auf Dauer wird es kein Medium im klassischen Sinne geben, das sich wirtschaftlich über Abos oder Werbung trägt.

Da mögen die wenigen journalistischen Neugründungen, die Turner als erfolgreich aufzählt, vielleicht Ausnahmen sein (ich würde da gern mal in die Bücher gucken). […]

Es wird in Zukunft keinen wirtschaftlich erfolgreichen Lokaljournalismus mehr geben. Was nicht heißt, dass es dann keine Informationen aus dem lokalen Bereich mehr gibt!

Vielmehr werden sich die Menschen ihre Informationen über das lokale Geschehen selbst zusammensuchen. Und es wird Menschen geben, die diese Informationen offensiv verbreiten – einfach, weil sie es für notwendig halten oder ein persönliches Interesse daran haben.

Der richtige Ansatz wäre also meiner Meinung nach, sich diese sendungsbewussten Menschen einmal näher anzuschauen. Bei vielen Facebook-Gruppen-Betreibern zum Beispiel frage ich mich, ob sie sich ihrer publizistischen Verantwortung bewusst sind. […]

In jedem Fall sollte sich die Politik dringend mit der Frage beschäftigen, was passieren wird, wenn sämtliche Förder-Szenarien nicht die gewünschten Ergebnisse bringen werden.

Peter Stawowy, flurfunk-dresden.de, 19.11.2023 (online)

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Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
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Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)