Zitiert: Journalismus, Partizipation, Publikum und Pluralismus – zum Verhältnis zwischen Journalismus und sozialen Online‑Netzwerken

Es geht vordergründig darum, zu klären, ob die Redaktionen zur Normalisierung der Realität der sozialen Online-Netzwerke und damit zur Steigerung der Subjektivitäten beitragen oder ihr entgegenwirken möchten. Das Nutzen-­Kosten-Kalkül sollte dabei viel früher bedacht werden, lange bevor sich eine Redaktion ein Social-Media-Profil zulegt. Strenggenommen: Wenn ein Social-Media-Engagement ökonomisch nicht zu leisten ist, wäre es dann vielleicht sinnvoll, erst gar nicht einzusteigen? Das wäre jedenfalls eine eindeutige Antwort auf die Veränderungen.

Wenn der Journalismus sich auf fremdes Gebiet wagt – und die sozialen Online-Netzwerke sind für ihn fremdes Terrain – und wenn die Redaktionen auf diesen Plattformen unbedingt agieren wollen, dann wäre es angebracht, sich darüber Gedanken zu machen, welche Spielregeln dort gelten und welche Spielregeln man selbst aufstellen kann. Denn wenn man nicht die eigenen Regeln etabliert, folgt man Regeln, die andere – oder gar Algorithmen – gesetzt haben. …

Öffentlicher Raum entsteht nicht allein dadurch, dass viele Perspektiven zum Vorschein kommen. Öffentlichkeit ist nur dann möglich, wenn, wie Hannah Arendt es in ihrem Buch „Vita activa“ auf den Punkt brachte, „ungeachtet aller Unterschiede der Position und der daraus resultierenden Vielfalt der Aspekte es doch offenkundig ist, dass alle mit demselben Gegenstand befasst sind“. Diese Aufgabe hat der Journalismus. Genau das zu gewährleisten, ist die normative Aufgabe von Journalisten. Das ist der Unterschied zwischen Konversation und echter Kommunikation. Nur so ist echte Partizipation mit Hilfe von sozialen Online-Netzwerken möglich. Es liegt in der Verantwortung des Journalismus, nicht nur den Gegenstand einer Diskussion in den Mittelpunkt zu stellen, sondern auch zu gewährleisten, dass es bei jedem Austausch und bei aller Vielfalt der Positionen und Perspektiven stets um denselben Gegenstand geht.

Katja Artsiomenka, medienkorrespondenz.de, 12.09.2019 (online)

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