Zitiert: Klimapolitik in der Medien – das Publikum erwartet mehr

In einer Rezipientenbefragung wurden die Nutzung und Bewertung der Berichterstattung zu den UN-Klimagipfeln 2015 und 2018 verglichen.

  1. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen ist die wichtigste Quelle, um etwas über den Klimawandel zu erfahren, gefolgt von Privatsendern, Radio und Onlinemedien.
  2. Ein Großteil der Befragten hält die Berichte in den Medien für verständlich, wünscht sich aber eine ausführlichere Berichterstattung.
  3. Auch die Bedeutung der Anschlusskommunikation hat im Vergleich der beiden Jahre zugenommen. Immer mehr Menschen sprechen mit Freunden und Familie über den Klimawandel.

Die Befragten zeigen sich mit den Leistungen der Medien insgesamt unzufrieden. Nur 14 Prozent beurteilen 2018 die Berichterstattung als ausgewogen, 41 Prozent stimmen dieser Aussage nicht zu. Fast die Hälfte der Befragten findet nicht, dass die Medien ausreichend über die konkreten Inhalte der Verhandlungen informiert hätten. Dass dieses Defizit sogar während der UN-Klimagipfel wahrgenommen wird, zu denen die Journalisten intensiver und hintergründiger als sonst über Klimapolitik berichten, legt die Vermutung nahe, dass es außerhalb dieser Medienereignisse als sogar noch größer empfunden wird. Dieser Befund betrifft gleichermaßen die Berichterstattung zum Klimagipfel 2015 und 2018, wobei die größte Gruppe zu beiden Zeitpunkten weder besonders zufrieden noch besonders unzufrieden, sondern eher neutral eingestellt war. Nur das Qualitätskriterium Verständlichkeit ist aus Sicht einer Mehrheit der Mediennutzer eindeutig erfüllt (2015 stimmten hier 46% zu, 2018 51%). Defizite sehen die Befragten bei Unabhängigkeit und Ausgewogenheit der Berichterstattung. …

Was zukünftige Forschung leisten muss, ist ein tieferer qualitativer Blick auf die Informationsbedürfnisse der Bevölkerung, der erklärt, warum bestimmte Medienangebote nicht als sachlich, ausgewogen und unabhängig wahrgenommen werden und welche Informationen genau vermisst werden. Zudem fehlt eine Analyse der Medieninhalte, um zu prüfen, ob und wo die Angebote tatsächlich defizitär sind oder ob die exzellenten Inhalte mit ausführlichen Informationen zwar vorhanden waren, aber in der Informationsflut untergegangen sind und von den Nutzern nicht bemerkt wurden.

Fenja De Silva-Schmidt und Michael Brüggemann: Klimapolitik in den Medien – Das Publikum erwartet mehr. Media Perspektiven 03/2019, S. 107 ff., online)

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