Ich glaube das, was am meisten an mir nagt, ist zu wissen, dass ich nicht in jedem Moment alle Fakten zur Hand haben kann. Aber genau darüber wird heutzutage wirklich groß diskutiert: Wie geht man damit um, wenn ein Gesprächspartner Dinge behauptet, die nicht faktenbasiert sind? Das ist auf den ersten Blick nicht immer zu erkennen. Wir bereiten uns so gut vor, wie es nur geht, ich auch – aber man kann nicht alles zu 100 Prozent abdecken. Dafür haben wir jetzt erweiterte Faktenchecks. […] Für einen guten Faktencheck ist ein ganzes Team im Hintergrund nötig, das nichts anderes macht, als zu schauen: Kommt uns das nur seltsam vor, stimmt aber trotzdem? Und wenn es nicht stimmt, stimmt es wirklich überhaupt nicht? Oder ist es vielleicht nur ein bisschen schräg dargestellt? Das sind alles Dinge, auf die man früher mehrere Tage für Recherche verwendet hat, bis man am Ende das Ergebnis veröffentlichte. Heutzutage wird erwartet, dass wir alles live richtigstellen. Das ist leider nicht realistisch. […]
Wir sind früher in der Gesellschaft auch anders mit Fehlern umgegangen. Die Fehlertoleranz ist leider gesunken, und das finde ich schwierig. Nicht weil ich das Ziel von Kritik bin, sondern weil es keine ideale Welt gibt, in der keine Fehler gemacht werden. Wenn wir anfangen, jeden Fehler unter die Lupe zu nehmen, dann fehlt uns die Zeit für andere Dinge, die wichtiger sind. Fehler zu machen heißt ja nicht, dass jemand nichts kann, sondern dass in einem bestimmten Moment aus bestimmten Gründen etwas schiefgelaufen ist.
Shakuntala Banerjee, sueddeutsche.de, 21.02.2025 (online)