Die These, die der 2023 verstorbene Digitalkritiker in seinem nun posthum erschienen Buch Cyberlibertarianism aufstellt, hätte man vor Monaten wohl nur bedingt zugestimmt, heute wirkt sie hellsichtig: Die Denker und Macher des Silicon Valley, schreibt Golumbia, waren seit jeher nicht nur staatsfeindlich, sondern antidemokratisch. Schon seit seinem Debüt The Cultural Logics of Computation vertrat er solche techkritischen Thesen: Hinter den schillernden Manifesten von Cyber-Befreiung, Demokratisierung und dem guten digitalen Leben habe sich schon immer eine Ablehnung des Staates und seiner Institutionen verborgen. Trotz Elon Musks stetiger Radikalisierung und der seit jeher offen rechten Politik des Paypal-Gründers Peter Thiel hatte sich das Valley lange seine progressive Aura bewahrt. DOGE sowie die Kniefälle von Mark Zuckerberg, Jeff Bezos oder Sam Altman vor Trump zeigen nun aber, dass der Hang zum Rechtsaußen-Libertarismus eher die Regel als die Ausnahme im Silicon Valley ist.
Quentin Lichtblau, zeit.de, 11.03.2025 (online)