Die Misere für die Autoren ist eine dreifache: Der Wegfall etlicher Sendeplätze – zuletzt hat der NDR eine von zwei Hörspiel-Ausstrahlungen am Wochenende gestrichen – hat zur Folge, dass weniger Stücke neu produziert und dann auch seltener wiederholt werden. Immer häufiger handelt es sich dabei um Bestseller-Adaptionen statt um original fürs Hörspiel entwickelte Stoffe. Und schließlich wird, was gesendet wird, in Summe schlechter bezahlt. Die ARD verweist auf Anfrage in einer Stellungnahme schlicht auf die geltenden Tarifverträge.
Zwar haben sich die Öffentlich-Rechtlichen mit dem Verband der Bühnenverleger mit Wirkung von Mitte 2019 darauf geeinigt, das Ersthonorar moderat anzuheben und einen zehnprozentigen Aufschlag zu bezahlen für die Online-Verwertung. Die Honorare für Wiederholungen und Übernahmen durch andere Sender wurden im selben Zug jedoch massiv gesenkt. …
Die ARD errechnet den Online-Zuschlag laut eigener Aussage aus dem Verhältnis der Abrufzahlen im Netz zur Livenutzung von Radio, die demnach zehnmal höher ist. Nur liegt die Reichweite von Hörspielen im linearen Programm unter dem Durchschnitt der meisten Kulturwellen. In den Audiotheken sind das jedoch die am häufigsten abgerufenen Programme. ….
Die Öffentlich-Rechtlichen, aufgrund des Rundfunkbeitrags verschont vom freien Markt, rechnen ihren Autoren vor, wie häufig deren Sendungen gehört werden und begründen damit die Honorarsätze. Was angemessen ist, entscheiden nicht Wert und Relevanz einer künstlerischen Arbeit sowie der Aufwand, sondern die Einschaltquoten. ….
Als Audiotheken noch keine Rolle gespielt haben, sei es durchaus üblich gewesen, dass ein Hörspiel durch das Ersthonorar, das im mittleren vierstelligen Bereich liegt, sowie diverse Wiederholungen und Übernahmen um die 20.000 Euro eingebracht habe. Heute seien es oft nur noch 12.000 Euro.
Stefan Fischer, sueddeutsche.de, 20.06.2021 (online)