Zitiert: Nicht Technik regulieren, sondern Konflikte und Risiken, die sich aus ihr ergeben

Gesetzliche Regulierungen sind immer einen Schritt hinterher. Wie lässt sich damit umgehen?

Indem man nicht die Technik reguliert, sondern die menschlichen Konflikte und Risiken, die sich aus dem Umgang mit Technologie ergeben. Nehmen wir das Auto: Gesetze begrenzen nicht die Anzahl der PS, sondern die Geschwindigkeit auf der Straße. Nicht die Technik wird reguliert, sondern der menschliche Einsatz. ….

Wir haben gute und lang tradierte Gesetze, die individualrechtliche Schäden längst regulieren. Die Frage ist: Brauchen wir neue, speziellere? Automatisierung verändert die Gesellschaft und unser Verantwortungssystem nicht grundsätzlich. Auch die gesellschaftlichen Folgen der Regulierung ließen sich schwer abschätzen. Algorithmen sind nur ein Skelett und abhängig vom Kontext. Ein Algorithmus für Filmkuratierung kann auch in der Krebsforschung verwendet werden. Die Daten, die Auswertungsmethoden, die Prozessarchitektur machen den Unterschied. Ein Sozialwissenschaftler kann die Statistik eines Kardiologen nicht interpretieren. Ein Richter hingegen muss den gesamten Kontext betrachten, bevor er urteilen kann. Dasselbe gilt hier. Bei der Regulierung sollte nicht Technologie im Mittelpunkt stehen, sondern der Mensch und das Gesellschaftliche.

 

Lorena Jaume-Palasí, Mitgründerin der Initiative „Algorithm Watch“, faz.net, 02.05.2018 (online)

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