Zitiert: Parteiendemokratie fördert einen bestimmten Politikertyp

Na ja, ich will hier keine komplette Politikverdrossenheit schüren, aber das Problem an der Parteiendemokratie ist, dass sie einen bestimmten Politikertyp fördert. Man muss die Ochsentour machen, um an die Spitze einer Partei zu kommen, und die Eigenschaften, die da gefragt sind, bewegen sich zwischen der Fähigkeit, seinen Ellbogen zu benutzen und der, sich enorm anzupassen und zu verbiegen. Wir tun ja immer so, als sei die Parteiendemokratie die einzige mögliche. Schon Karl Jaspers, der wirklich kein Linker war, sah die Gefahr einer Parteienoligarchie kommen. Die Tatsache, dass so viele meiner Freunde sagen, sie wüssten nicht mehr, wen sie wählen sollen, ist für mich ein Symptom. Eigentlich müsste man darüber nachdenken, wie unsere Demokratie in Richtung deliberativer Modelle erfrischt und erneuert werden kann. Aber – ich spreche aus Erfahrung – das gilt dann als Angriff auf die Demokratie, während es in Wirklichkeit ihre Verteidigung ist. […]

Es geht nicht darum, recht zu haben, sondern darum, die eigene Perspektive infrage zu stellen und aufzulösen und den Versuch zu unternehmen, die Perspektive des anderen zu verstehen. Das nennt man Denken. Die Dinge in ihrer Geschichtlichkeit und in ihrem Widerspruch zu begreifen.

Eugen Ruge, berliner-zeitung.de, 28.02.2025 (online)

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Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)