Zitiert: „Schicksalsjahre“ von Politikern in TV-Biografien

Das deutsche Wörterbuch von Oxford Languages definiert „Schicksal“ als etwas „von einer höheren Macht über jemanden Verhängtes, was sich menschlicher Berechnung und menschlichem Einfluss entzieht und das Leben des einzelnen Menschen entscheidend bestimmt“. Die Vorstellung, dass ausgerechnet Politiker Gefangene und Getriebene von etwas ohne „menschlichen Einfluss“ Verhängtem sind, leuchtet nicht unbedingt ein. Das hat die ARD aber nicht davon abgehalten, in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal eine Dokumentation über einen Politiker mit dem fragwürdigen Wort „Schicksalsjahre“ zu betiteln. Auf „Donald Trump – Schicksalsjahre eines Präsidenten“ folgte „Olaf Scholz – Schicksalsjahre eines Kanzlers“. […]

Dass in einem 100 Minuten langen Mehrteiler über eine mehr als vier Jahrzehnte umfassende politische Karriere, der nebenbei in Schlaglichtern auch noch die Geschichte der Bundesrepublik zwischen Nato-Doppelbeschluss und Ampel-Aus erzählen will, viele Aspekte fehlen, liegt in der Natur der Sache. Es ist aber eine Kardinalschwäche des Films, dass er Scholz’ skandalöseste Äußerung ausblendet. „Polizeigewalt hat es nicht gegeben“, sagte der 2017 nach dem G20-Gipfel – trotz unzähliger, manchmal sogar live von internationalen Medien oder später über Social Media verbreiteter Bilder, die das Gegenteil belegten. […]

Dass in einem 100 Minuten langen Mehrteiler über eine mehr als vier Jahrzehnte umfassende politische Karriere, der nebenbei in Schlaglichtern auch noch die Geschichte der Bundesrepublik zwischen Nato-Doppelbeschluss und Ampel-Aus erzählen will, viele Aspekte fehlen, liegt in der Natur der Sache. Es ist aber eine Kardinalschwäche des Films, dass er Scholz’ skandalöseste Äußerung ausblendet. „Polizeigewalt hat es nicht gegeben“, sagte der 2017 nach dem G20-Gipfel – trotz unzähliger, manchmal sogar live von internationalen Medien oder später über Social Media verbreiteter Bilder, die das Gegenteil belegten.

René Martens, epd medien, 05.03.2025 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)