Zitiert: Shitstorm-Schwalbe

Kommunikation auf Social Media, ob in der Wissenschaftskommunikation oder abseits davon, hat eine ganz eigene Dynamik und auch ganz eigene Kommunikationsmuster. Eines, das mich seit längerem nervt, ist das folgende: Mensch macht provokante Aussage. Mensch erntet sachliche Kritik plus unsachliche Anwürfe. Mensch beschwert sich daraufhin darüber, Ziel eines “Shitstorms” zu sein und geht mit dieser selbstdeklarierten Ungerechtigkeit publikumswirksam hausieren. Angenehmer und in einigen Fällen sicherlich auch gewünschter Nebeneffekt für jenen Menschen: mit der sachlichen Kritik muss er oder sie sich dann gar nicht erst mühsam auseinandersetzen. Die Kritik ist in der öffentlichen Darstellung “Mensch X wurde Opfer eines Shitstorm!” pauschal mit-diskreditiert. Für die absichtliche Ausnutzung jener Dynamik bietet sich als griffige Bezeichnung die “Shitstorm-Schwalbe” an. …. Dort, wo der Begriff verwendet wird, wenn jemandem kritischer Gegenwind entgegenschlägt, ist die Shitstorm-Schwalbe ja fast schon direkt eingebaut. Denn alleine jeder Fall, indem auch sachliche Kritik unter diesem durchaus abfälligen Sammelbegriff verschwindet, ist ja bereits eine ziemliche Frechheit – und das Gegenteil neutraler Berichterstattung.

Markus Pössel, SciLogs relativ einfach, 26.04.2021 (online)

Kommentar verfassen

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)