In der ersten Jahreshälfte 2022 wurde in der „Tagesschau“ über das britische Königshaus umfangreicher berichtet als über den globalen Hunger. […]
Insgesamt beschäftigte sich die „Tagesschau“ in etwa 41 Prozent ihrer Bericht-Sendezeit mit dem Ukraine-Krieg und seinen Auswirkungen. Auf die Pandemie entfielen etwa 11 Prozent der Sendezeit aller Berichte (2020 waren es circa 45 Prozent und 2021 etwa 35 Prozent).
Was Befremden hervorruft ist, dass dramatische Katastrophen, die sich zeitgleich im Globalen Süden ereigneten, randständig oder erst gar nicht aufgegriffen wurden. […]
Auf den globalen Hunger entfielen etwa 0,5 % der Bericht-Sendezeit der „Tagesschau“. So beschäftigte sich die wichtigste deutschsprachige Nachrichtensendung in etwa 1.030 Minuten ihrer Sendezeit mit dem Ukraine-Krieg und seinen Folgen, in circa 287 Minuten mit der Corona-Pandemie und in lediglich etwa 13 Minuten mit dem globalen Hunger. 587 Berichte über den Ukraine-Krieg und 186 Beiträge über die Corona-Pandemie (fast ausschließlich in Deutschland) stehen gerade einmal zehn Berichten über den globalen Hunger gegenüber.
Dabei wäre gerade im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg und den hierdurch ausbleibenden Weizenlieferungen ein deutlich größeres Interesse an den von Mangel- und Unterernährung betroffenen Krisenregionen der Welt zu erwarten gewesen. Hilfsorganisationen machten wiederholt auf die Zuspitzung der globalen Hungersituation infolge des Ukraine-Krieges aufmerksam. […]
Dass in der „Tagesschau“ den Sportergebnissen mehr als 13 Mal so viel Zeit eingeräumt wurde wie dem Hungerthema, gibt zu denken. In der Tat waren Berichte über den Sport insgesamt sogar etwas umfangreicher als für alle Staaten des Globalen Südens zusammen.
Ladslaus Ludescher, ejo-online.de, 17.8.2022 (online)
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