Zitiert: Wie behinderte Menschen vergessen werden, wenn von “Diversität”, “Vielfalt” und “Inklusion” die Rede ist

Mittlerweile gibt es Diversitätsbeauftragte in Unternehmen, es ist hip und gut und durchaus zu begrüßen. Nur sind damit zuvorderst gemeint: Frauen und Menschen mit verschiedenen ethnischen Hintergründen, auch Sexualität wird abgedeckt. Aber Behinderung? Fehlanzeige. Und wenn, dann unter ferner liefen. …. Medien zum Beispiel erkennen langsam, wie ihre Berichterstattung über Jahrzehnte hinweg dadurch geprägt war, dass diese von alten weißen Männern kam und kommt. Und da ändert sich etwas. Man stellt sich besser auf. Aber eine Eigenschaft der alten weißen Männer fällt gemeinhin unter den Tisch: dass sie keine Behinderung haben. …. Worin liegt dieses strukturelle Ungleichgewicht begründet? Ich glaube, wir haben es erlernt. Menschen ohne Behinderung haben oft doch eine Behinderung, und zwar in die Richtung, dass sie sich meist nicht vorstellen können, was ein Mensch mit Behinderung so alles kann. Das herrschende Narrativ bespielt im Einbahnstraßenmodus stets: Was behinderte Menschen alles nicht können. … Nicht nur „Barrierefreiheit“ erfährt als Begriff einen Bedeutungswandel. Erinnern wir uns noch an das Wort „Integration“? Früher gab es „Integrationspädagog*innen“, und integriert werden sollten ausschließlich Menschen mit Behinderung. Dann erweiterte sich der Begriff auf nach Deutschland eingewanderte Menschen und ihre Kinder sowie Kindeskinder – und schließlich wurde er nur noch auf sie angewandt. Für uns Menschen mit Behinderung gab es dann den Begriff der „Inklusion“.

Raul Krauthausen, journalist.de, 26.11.2020 (online)

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Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
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Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)