Zitiert: Wie entwickelt sich die Konzentration auf dem deutschen TV Produktionsmarkt?

Betrachtet man die Marktentwicklungen auf dem deutschen Produktionsmarkt, dann lassen sich folgende Trends ausmachen und bewerten:

• Die horizontale Konzentration nimmt zwischen 2016 und 2018 bezogen auf produzierte Programm-Minuten ab, mit Bezug auf Umsätze in Euro war sie in diesen Jahren stabil. Es gibt jedoch klare Anzeichen dafür, dass sie seitdem gestiegen ist, sowohl mit Bezug auf das Programm- als auch das Umsatzvolumen. Dafür sprechen die Zusammenschlüsse und Zukäufe von Banijay und von Leonine. Kritische Größenordnungen, die volkswirtschaftlich oder gar kartellrechtlich Alarmglocken läuten ließen, werden in Deutschland aber noch nicht erreicht.

• Horizontale Konzentration bietet aus Sicht der Beteiligten überwiegend Vorteile, denn die typischerweise geringe Verhandlungsmacht der Zulieferer gegenüber den Sender- und Plattform-Monopolen wird vergrößert, Synergien durch gemeinsame Stabsabteilungen (wie Buchhaltung, Rechtsabteilung etc.) können Kostenvorteile bieten. Aus gesellschaftlicher Perspektive müssen jedoch kleine und mittelständische Produktionsunternehmen als Kreativitätsreserve bestehen bleiben.

• Die vertikale Konzentration nimmt in den letzten Jahren zu. Beispiele dafür gibt es, wie gezeigt, viele. Die Größenordnungen liegen derzeit noch in Dimensionen, die keine Versäulung des deutschen audiovisuellen Produktionsmarkts befürchten lassen. Angesichts der Nachteile einer Verstärkung der vertikalen Konzentration für alle Beteiligten, einschließlich der Sender und Plattformen selbst, wäre eine Versäulung auch aus dem Interesse der Beteiligten keine strategische Option. Wenn TV-Sender mit ihren Produktionstöchtern eine kritische Größe erreichen wollen, die ihre Unabhängigkeit von den großen Produktionsgruppen und Formatinhabern sichert, ist für diesen Zweck ein noch steigender Grad an vertikaler Integration nicht erforderlich und schon gar nicht eine Versäulung des deutschen Produktionsmarkts. Auch aus Ansiedlungs- und industriepolitischer Perspektive eines Bundeslandes sind vertikale „Monokulturen“ nicht unproblematisch.

Oliver Castendyk, medienkorrespondenz.de, 07.03.2021 (online)

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