Zitiert: Wie sollen die wenigen Afrikakorrespondenten die existierende Vielfalt abbilden

Bernd Dörries, der Afrikakorrespondent der „Süddeutschen“, ließ dieser Tage anlässlich des Jubiläums seiner Zeitung seine Jahre in Kapstadt Revue passieren. „Für viele Menschen in Deutschland ist Afrika letztlich ein Klumpen, ein einziges Land, aus dem es wenig Gutes zu berichten gibt – zumindest die Tierwelt soll aber ganz schön sein“, schreibt er. „Seit fünf Jahren bin ich nun Afrika-Korrespondent für die Süddeutsche Zeitung mit Sitz in Kapstadt, zuständig für 49 Länder südlich der Sahara, 41 davon habe ich besucht“. Womöglich besteht ja eine Korrelation zwischen dem, was viele Menschen wohl glauben – dass der Kontinent „ein Klumpen, ein einziges Land“ sei – und der Tatsache, dass ein einziger Korrespondent für mehrere Dutzend Länder zuständig ist. Wie, fragt man sich jedenfalls, könnten Bernd Dörries und seine insgesamt viel zu wenigen Kolleginnen und Kollegen, die für deutsche Medien in Afrika arbeiten, die existierende Vielfalt abbilden?

Klaus Raab, MDR Altpapier, 14.10.2022 (online)

Fünf Jahre Afrika, Hunderte Geschichten, 41 Länder. Was bleibt als Erkenntnis? Erst einmal eine ganz banale: Afrika ist kein Land, sondern ein Kontinent mit 55 Ländern. Die manches gemein haben in ihrer historischen Erfahrung, dem Kolonialismus, der Rolle in der Welt. Aber eben oft auch nicht viel mehr. …

Ich habe in den vergangenen Jahren keine Strichliste geführt, wie oft die SZ positiv über Afrika berichtet hat, und wie oft negativ. Ich habe aber versucht, die ganze Lebenswirklichkeit des Kontinents einzufangen. Aber natürlich schwingt in vielen Texten die Frage mit, warum Afrika so ist, wie es ist. Vielfältig und überraschend, modern und jung. Aber eben auch der ärmste Kontinent der Erde. Es gab zwar massive Fortschritte, die Zahl der Menschen, die von weniger als 1,90 Dollar pro Tag leben müssen, ist von 60 Prozent im Jahr 1995 auf heute 40 Prozent gesunken. Nur ist der Fortschritt eben viel langsamer als anderswo auf der Welt.

Bernd Dörries, sueddeutsche.de, 6.10.2022 (online)

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Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
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Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)