Zitiert: Wie Talkshows oft am Programmauftrag vorbeigehen

Nehmen wir an, eine demokratische Gesellschaft wollte sicherstellen, dass sich die Menschen, die in ihr leben, miteinander verständigen können, dass alle Regionen, alle sozialen Gruppen unabhängig informiert werden über die Welt, in der sie leben, dass also das Wissen über die ökonomischen, kulturellen, ökologischen, politischen Bedingungen ihrer Gegenwart vermittelt wird, dass sie beteiligt werden an der Auseinandersetzung über Gesetze und Regeln, über Bilder und Begriffe, die ihr Zusammenleben regulieren – und sich so ein Gespräch ergibt, das die Demokratie bestätigt und vertieft.

Das wäre eine ausgezeichnete Idee. Günstigerweise ist sie ausbuchstabiert im Staatsvertrag für Rundfunk und Telemedien, der die Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks definiert. In der aktuellen Version, die seit Mai 2019 gilt, heißt es in Paragraf 11: die Angebote sollten als “Medium und Faktor des Prozesses freier und öffentlicher Meinungsbildung (…) wirken” und, etwas später, “die internationale Verständigung, die europäische Integration und den gesellschaftlichen Zusammenhalt (…) fördern”. Hervorragend. Ungünstigerweise scheinen die Vorgaben meist genau dann vergessen zu werden, wenn wieder eine jener Gesprächssendungen geplant wird, die neudeutsch als politischer “Talk” (das “Show” wird häufig verschluckt) bezeichnet werden.

Carolin Emcke, sueddeutsche.de, 05.07.2019 (online)

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Spitzenvertreter von ARD und ZDF – darunter WDR-Intendant Tom Buhrow, der seit Januar 2020 ARD-Vorsitzender ist, BR-Intendant Ulrich Wilhelm, ARD-Generalsekretärin Susanne Pfab und ZDF-Intendant Thomas Bellut wie auch Vorsitzende von Senderaufsichtsgremien wie der WDR-Rundfunkratsvorsitzende Andreas Meyer-Lauber – erklären, die Rundfunkbeitragshöhe läge in der aktuellen Periode 2017 bis 2020 real bereits bei 18,35 Euro (inklusive LMA-Anteil). Doch dies trifft, wie schon angeführt, nicht zu. Berücksichtigt man die bereits genannten Faktoren, läge die reale Beitragshöhe niedriger als 18,35 Euro; geschätzt dürften es etwa 18,20 Euro sein – doch auch dieser Betrag spiegelt noch nicht die reale aktuelle Beitragshöhe wider.   Volker Nünning, Medienkorrespondenz, 18.02.2020 (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)