Zitiert: Worin Frankreichs Filmpolitik besser ist

Während Deutschland zuletzt gut 4.800 Leinwände für seine 83 Mio. Einwohner bereithielt, standen in Frankreich 5.900 Leinwände für knapp 67 Mio. Einwohner zur Verfügung. Aber auch die Vorliebe für das heimische Produkt ist klarer Treiber des Marktes. Tatsächlich sind die Unterschiede zwischen Frankreich und Deutschland gar nicht einmal so gigantisch, wenn man nur auf die Zahlen für US-Filme blickt. Denn während hierzulande zuletzt rund 75 Mio. Besuche auf den US-Film entfielen, waren es in Frankreich in etwa 100 Mio. verkaufte Tickets. Der massive Unterschied: In Deutschland standen diese Besuche für über 70 Prozent des gesamten Aufkommens, in Frankreich gerade einmal für etwa die Hälfte. Knapp 40 Prozent aller Kinobesuche des vergangenen Jahres entfielen in Frankreich auf lokale Produktionen, hierzulande dümpelte man bei rund 23 Prozent dahin – und seit Jahren sind es nur wenige deutsche Produktionen, die wirklich reüssieren können. ….  Doch seit mindestens einem Jahrzehnt übertrifft der Nachbarmarkt den hiesigen regelmäßig um 50 bis 100 Prozent. Neben der deutlich besseren Verfügbarkeit von Leinwänden, günstigen Preisen für Besucher mit geringerem Einkommen, Flatrates für die Heavy User und einem starken nationalen Produkt dürften aber auch noch andere Faktoren für diese erfolgreiche Performance verantwortlich sein.

Zu nennen wäre hier neben der starken Förderung auch die Protektion des Films als Kulturgut. Weil in Frankreich die Schulen Mittwochnachmittags geschlossen sind und deshalb auch viele Eltern sich diesen Nachmittag freinehmen, starten die Filme dort auch an einem Mittwoch (Was übrigens auch den Zeitraum des Kinofestes erklärt). Zusätzlich dürfen an diesem Tag keine Spielfilme im Fernsehen gezeigt werden.

Kim Ludolf Koch, Blickpunkt/Film, 02.08.2020 (online)

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Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
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Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)