Zitiert: Zuviel und Zuwenig Ostdeutschland in öffentlich-rechtlichen Medien

In der Debatte um die Erhöhung des Rundfunkbeitrags werden unterschiedliche Positionen immer wieder in den Kategorien West- und Ostdeutschland einsortiert. Ob es sinnvoll ist, die Sichtbarkeit des Ostens „als Osten“ zu stärken, ist jedoch fraglich.

Probleme wachsender sozio-ökonomischer Ungleichheit sind unterrepräsentiert und werden bisweilen sogar dadurch verschleiert, weil sie oft primär als Ost/West-Gegensatz dargestellt werden. Gleichzeitig würde ein stärkerer Fokus auf diese Ungleichheit, auf das Fehlen von adäquater Industrie- und Standortpolitik, automatisch zu einer stärkeren Repräsentanz von Menschen und Regionen in Ostdeutschland führen, ohne dabei rhetorisch den Ost-West-Gegensatz fortzuschreiben.

Dementsprechend würde, wenn meine These zutrifft, eine “höhere Sichtbarkeit des Ostens” wenig dabei helfen, ebendort die Legitimation demokratischer Institutionen und des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Besonderen zu steigern. Denn entscheidend für Institutionenvertrauen ganz allgemein ist, ob Menschen für sich und ihr Umfeld positive Zukunftserwartungen haben – oder eher mit Abwanderung kämpfen. Das ist sogar wichtiger, als die aktuelle ökonomische Situation – und das gilt für Ostdeutschland genauso wie für andere, sogenannte “strukturschwache” Regionen.

Leonard Dobusch, netzpolitik.org, 16.12.2020 (online)

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Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
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Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)