Marcus Klöckner interviewte Friedensforscher Lutz Schrader über den Journalismus in Zeiten geopolitischer Konflikte, der meint, guter Journalismus sei zugleich „Friedensjournalismus“. Wie begründet er dies?
„Ich bin davon überzeugt, dass sich guter Journalismus schon allein aus purem Eigeninteresse für die Erhaltung derjenigen Grundlagen einsetzen sollte, die Qualitätsjournalismus erst möglich machen: Frieden, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und soziale Gerechtigkeit. Ein Journalist muss aber deshalb nicht gleich zum „Friedenskämpfer“ werden.
Es reicht völlig aus, die selbstverständlichen Grundlagen und Standards des journalistischen Handwerks hochzuhalten. Dazu gehört u.a., die eigenen Interessen und Vorurteile zu reflektieren, auf Leerstellen, Verzerrungen und Lügen in politischen Verlautbarungen aufmerksam zu machen, Macht- und Gewinninteressen sowie Verantwortlichkeiten offenzulegen, Minderheitenpositionen und Opfer auf allen Seiten zu Wort kommen zu lassen und nicht zuletzt die wirtschaftlichen und menschlichen Folgen von Gewalt mit aller Deutlichkeit zu benennen.“