Johannes Beermann lobt qualitativ gute Olympia-Berichterstattung von ARD und ZDF

 

„Das jüngste Beispiel der Olympischen Sommerspiele in London hat nach Ansicht von Johannes Beermann gezeigt, dass die beiden öffentlich-rechtlichen Sender zu einer qualitativ guten Berichterstattung in der Lage sind“, meldete digitalfernsehen.de letzte Woche. Der sächsische Medienminister und Staatskanzlei-Chef Johannes-Beermann schätzte die Berichte von der Londoner Olympiade als „gut und von hoher Qualität“ ein. Dabei gab es so einiges zu kritisieren: nicht nur die öfter fehlende distanzlose, deutschland- und medaillenfixierte Kommentierung.

 

Hier mal eine kleine Sammlung von Kritik:

Bombastisch, aber nicht staatstragend: Die Briten zeigen der Welt am Eröffnungsabend, dass sie ihren Humor noch besitzen. Für die besten Lacher sorgen zuverlässig dieselben wie immer, Mr Bean und Ihre Majestät, die Queen.

Übrigens: das deutsche Kommentatoren-Trio hat an diesem Abend ganze Arbeit geleistet. Olympia-Experte Christian Keller zum Beispiel ist Schwimmer, und wieso sollte man nicht ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern, wenn’s zeitlich grade eh passt. Zum Beispiel, als die Türken einlaufen: „Man kann wunderbar tauchen in der Türkei. Da gibt’s kristallklares Wasser. Man kann da auch schön Urlaub machen.“ War sonst noch was? Ach ja, Olympische Spiele. Ab sofort täglich!

Berliner Zeitung, 28.07.

 

Spaßbremsend kommt im Jahr 2012 hinzu, dass sich das ZDF in der Sportberichterstattung zu einem Schwarz-Rot-Geil-Sender entwickelt hat. So entwickelte sich der Tag aus dem Aquatics Center zu einer Betroffenheits-Show mit halbstündigen Rückblicken auf das große Scheitern vom Vormittag.

Süddeutsche Zeitung, 28.07.

 

 

Der Gegensatz könnte nicht größer sein: Die Eröffnung der Olympischen Spiele war überwältigend, die deutschen Moderatoren hingegen null inspiriert, kein bisschen eloquent und gnadenlos inkompetent.

TAZ, 28.07.

 

Die ersten Wettkämpfe liefen für die deutschen Schwimmer nicht nach Plan, zum Desaster machten sie aber erst die ARD und das ZDF. Mit ihren Schalten aus London trübten sie die Olympiastimmung, bei Zuschauern und Athleten.

Süddeutsche Zeitung

 

Wer sich ernsthaft für die Olympischen Spiele in London interessiert und aktuell wissen will, wie es um die (bislang ja noch maue) Medaillenausbeute der deutschen Sportler steht, sollte ARD und ZDF in diesen Tagen vielleicht besser meiden. Gemeint sind die beiden Hauptprogramme, die mit einem veralteten Übertragungskonzept aus London berichten.

DWDL, 30.07.

 

“Seit 2008 wird zurückgeritten”, entfuhr es ARD-Reporter Carsten Sostmeier nach dem Sieg der deutschen Vielseitigkeitsreiter am Dienstag. Der ARD-Pferdesportexperte setzt damit eine peinliche Tradition fort.

Tagesspiegel, 01.08.

 

An diesem Dienstag hat sich nun ARD-Reitkommentator Carsten Sostmeier einer gewissen Weltkriegsmetaphorik bedient und erklärt: “Aber dann kamen ja die Franzosen, die Briten, die Amerikaner, und am Grünen Tisch haben sie uns mit einer fragwürdigen Entscheidung die Goldmedaillen weggerissen. Und das haben sich die Deutschen gemerkt, denn seit 2008 wird zurückgeritten.”

Süddeutsche Zeitung, 01.08.

 

Schlechte Nachrichten für ARD und ZDF, denn die Olympia-Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sendersteht in der Kritik. Zuschauer beklagen, dass Aufzeichnungen gegenüber Live-Bildern nicht eindeutig gekennzeichnet werden.

digitalfernsehen.de, 01.08.

 

Die Dominanz der Athleten aus China beeindruckt – und wirft Fragen auf. Gerne wüsste man etwa mehr über die Schwimmerin Ye Shiwen. Die ARD zeigt lieber Archiv-Bilder von Franziska van Almsick. Und das ZDF? Feuert unsere Judo-Sensation an.

Berliner Zeitung, 02.08.

 

In guter alter Tradition verkaufen die Programmplaner von ARD und ZDF ihre Olympiazuschauer für dumm. Die ständigen Emotionen und Entscheidungen aus der Konserve nerven jedoch gewaltig.

Olympia lebt von gut geplanter Verdichtung. Von den Momenten, in denen die Entscheidung über Sieg oder Niederlage fallen, über Gold oder Silber, Medaille oder Blech. Da sind die großen Emotionen.

Ein Straßenrennen der Frauen kann an einem sportarmen Sonntag auch 50 Kilometer vor dem Ziel spannend sein. Bei Olympia ist es das nicht, wenn gleichzeitig hitzige Gefechte auf der Planche, der Judomatte oder Finalläufe im Rudern anstehen. ARD und ZDF scheinen das nicht zu verstehen.

WELT, 02.08.

 

Dabei sein ist alles? Von wegen: Die deutschen Sportreporter in London lassen eigentlich nur Edelmetall gelten. Die Entgleisung des ARD-Reitexperten – “seit 2008 wird zurückgeritten” – passt da in den Gesamtauftritt einer Zunft, die nur Sieger und Verlierer kennt.

Täglich sitzen zwischen 6,5 und 7,5 Millionen Deutsche stundenlang vor dem Bildschirm. Auch das ist eine sportliche Leistung, müssen sie dabei doch nervende Fragesteller, Experten-Kauderwelsch und Reporter verkraften, die eine Silbermedaille im Radfahren feiern, als wäre endlich der Euro gerettet.

Deutschlandradio, 04.08.

 

Hauptsache Emotion: In der Fernseh-Berichterstattung über die Olympischen Spiele wird auf die Gefühle gefallener Helden wenig Rücksicht genommen – vor allem dann, wenn sie aus Ländern kommen, die ohnehin nicht den besten Ruf haben.

Süddeutsche Zeitung, 08.08

 

Gefahr für die Demokratie geht bis auf Weiteres nicht von Nadja Drygalla aus, sondern von denen, die diese Hetzjagd auf eine 23-Jährige veranstalten. Heutzutage genügt offenbar schon ein Verdacht, um jemanden an den Rand der Gesellschaft zu drängen.

In einem demokratischen Staat werden nicht Meinungen bestraft, sondern Taten.

Tagesspiegel, 08.08

 

Bei olympischen Spielen eine Silbermedaille zu gewinnen, ist nichts Verwerfliches. Einige Kommentatoren lassen aber diesen Eindruck entstehen. Wie schade.

Süddeutsche Zeitung, 09.08.

 

Für die TV-Zuschauer waren die Olympischen Spiele in London die bisher besten – trotz einiger Totalausfälle. Und Ärgernisse wie ZDF-Mann Wolf-Dieter Poschmann.

Wenn man so will, dann waren die Olympischen Spiele auch eine Leistungsshow der BBC – der britische Sender, der die sogenannte Weltregie verantwortete, hat dieser Welt mal eben so gezeigt, wie das mit dem Fernsehmachen im Idealfall gehen sollte: überraschende Kameraschwenks, tolle Perspektiven, atemberaubende Zeitlupen, perfekt ausgeleuchtete Sportstätten – dazu kamen natürlich eine großartige Kulisse und, irgendwie nicht unwichtig, großartige Sportler.

Es war eine schöne Überraschung, wie kenntnisreich teilweise vom Badminton, vom Volleyball, vom Synchronspringen oder vom Rudern berichtet wurde. Da hörte man plötzlich Experten, denen der Sport, den sie kommentierten, eine Freude war, ein Anliegen. Man fragt sich nur, was die vier Jahre lang machen, wo der Sender die versteckt hält.

Tagesspiegel, 12.08.

 

Schwarzsehen leicht gemacht: Der Sportjournalismus ist abhängig von Heilsversprechen für die Zukunft. Die hat er für die Olympioniken parat, nicht aber für sich selbst.

Als symptomatisch für die Haltung der Sportjournalisten vom Fernsehen kann gelten, dass die Redaktion der Sportschau der ARD Meldungen auf ihrem Twitter-Account mit demselben Hashtag versieht wie der Deutsche Olympische Sportbund: #WirfuerD – Wir für Deutschland. Da verwundert es kaum jemanden, dass an Tagen, an denen für D alles prima läuft, jedes Maß verloren geht.

Zeit.de, 10.08.

 

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Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
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