Muss ZDFkultur „geopfert“ werden?

 

„Ein öffentlich-rechtlicher Sender verzichtet freiwillig auf einen Kanal“, heißt es bei meedia.de.

„Ein seltener Schritt für einen öffentlich-rechtlichen Sender“, merkt die Süddeutsche Zeitung an.

„Intendant Thomas Bellut wird dem Fernsehrat das Ende von ZDFkultur vorschlagen. Und das Gremium wird ihm wohl folgen“, so die taz.

 


 

„Anders könne man die von der Politik geforderten Sparmaßnahmen zur Beitragsstabilität nicht einhalten“, so Thomas Bellut laut Süddeutscher Zeitung.

„Der Sender solle – bis zur endgültigen Entscheidung der Bundesländer – so rasch wie möglich auf ein Wiederholungs- und Schleifenmodell umgestellt werden. Die anerkannt innovativen Programmformate sollen von ZDFneo und 3sat übernommen werden“, heißt es in einer Presseerklärung, die auf presseportal.de dokumentiert ist.

„Gerüchte über eine Einstellung von ZDFkultur gab es bereits seit vergangenen Sommer – nun, nicht mal zwei Jahre nach dem Start, ist das Ende des Digitalkanals beschlossene Sache“, berichtet dwdl.

„Wenn der Sender Sparzwänge als Grund angibt, dann ist das nur die halbe Wahrheit. Kultur hat es schwer in den ZDF-Programmen“, erklärt der Tagesspiegel.

Der Sender, „gestartet im Mai 2011, hatte 2012 einen Etat von 18 Millionen Euro“, so das Hamburger Abendblatt.

„Außerdem wurde beschlossen, weitere so genannte Plattformredaktionen zu schaffen: Das Plattformprinzip bedeutet, dass Redaktionen ihr Programm sendeplatz- und kanalübergreifend sowie crossmedial produzieren“, so welt.de.

Bereits seit 1. Januar bündelt das ZDF seine Kulturberichterstattung in der Hauptstadt

Der Deutsche Kulturrat gibt zu überdenken: Aufgabe von ZDFkultur sei es, erklärte das ZDF vor zwei Jahren, „ein anderes Kulturfernsehen“ zu machen und „neue Zuschauerschichten“ für das ZDF zu gewinnen.

Den Beweis, dass dies nicht funktioniert habe, ist man bis jetzt schuldig geblieben. Schließlich können für einen solchen Sender nicht allein die Quoten als Erfolgskriterium herangezogen werden. Man muss auf jeden Fall die Abrufzahlen aus der Mediathek berücksichtigen. Auch der Verweis auf die Sparmaßnahmen ist an den Haaren herbeigezogen. Zum einen ist noch nicht klar, welche Einnahmen der neue Rundfunkbeitrag bringt. Zum anderen hatte das ZDF vor nun schon zwei Jahren seinen Sendeaufwand für ZDFkultur für die Jahre 2013 – 2016 angemeldet. Für 2012 hatte man 14 Mio. Euro eingeplant. Bis 2016 sollten die Mittel jährlich um 200.000 Euro auf 14,8 Mio. Euro in 2016 steigen. So steht es im 18. KEF-Bericht.

 

Der gesamte Sendeaufwand soll 2016 bei 1,154 Mrd. Euro liegen. ZDFkultur schlägt also mit 1,2% zu Buche. Allein der Sport wird mit über 350 Mio. Euro zu Buche schlagen. Es ist also vor allem eine Frage der „finanziellen“ Prioritätensetzung.

 

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Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
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