Olympiade 2012: die ersten Online-Spiele

 

ARD und ZDF hatten im Mai verkündet, dass sie diesmal nicht nur in ihren Hauptprogrammen und auf den zugehörigen Internetplattformen über Olympia berichten wollen. In bis zu sechs parallelen Livestreams sollten rund 900 Stunden lang Wettkämpfe zu sehen sein. Die Digitalkanäle wolle diesmal man nicht nutzen. Der Präsident des VPRT, Jürgen Doetz, ein Verband privater Sender, der seit einiger Zeit mit ARD und ZDF in der Deutschen Content Allianz gemeinsam medienpolitisch agiert, kritisierte die „Maßlosigkeit“ mit der ARD und ZDF „ihren Sportinformations- und Telemedienauftrag  interpretieren“.

Die Grundlage dieser „Maßlosigkeit“ sind die neuen technischen Möglichkeiten. Eine derart umfangreiche aktuelle Berichterstattung wäre vor 30 Jahren noch nicht möglich gewesen. Damals konnte man als Sportfan froh sein, wenn die Kameras am richtigen Ort waren und die Regie zudem an diesen Ort  geschaltet hat.

 

Sowohl das Internet, vor allem aber auch die technische Entwicklung bei den Aufnahme- wie Endgeräten ermöglichen ein vielfältiges, vom Umfang her wachsendes Angebot zeitgleicher Übertragung.

Medienlandschaft und Sehgewohnheiten haben sich in den vergangenen vier Jahren grundlegend geändert. 2008 hätte man Livestreams schon nutzen können. Doch erst heute verfügen Massen über Smartphones bzw. Tablet-PCs. Ein massenhafter mobiler Empfang war 2008 nicht möglich. Zudem scheint auch gesichert, dass Massen diese neuen „Kanäle“ nutzen können. Hatte man doch im Jahr 2010 die Grenzen des Livestreamings beim Weltmeisterschaftshalbfinale im Fußball überschritten.

Neben dem Fernseher wird immer mehr der PC genutzt. Während man im Stream seinen Lieblingssport in ganzer Länge betrachten kann, läuft  gleichzeitig im Hauptprogramm das Wichtigste vom Olympischen Tag. Livestreams ermöglichen zudem gegenüber den Digitalkanälen eine größere Vielfalt. Nunmehr sind bis zu sechs zusätzliche Übertragungen von Wettkämpfen parallel möglich. Der Nutzer kann in einem völlig neuen Ausmaß sein individuelles Olympiaprogramm selber zusammenstellen.

Doch wird es bei ARD und ZDF, die mit 480 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nach London reisen, mehr als nur in sportliches Abbild geben? Wie werden die Möglichkeiten des Netzes genutzt? Wird es in ihrer Berichterstattung eine „vertiefende Vernetzung“ der Inhalte geben? Es macht doch kaum Sinn zu wiederholen, was über Twitter und Facebook in die Welt gelangt ist. Sollte man nicht besser  Inhalte produzieren, die sich da nicht umsetzen lassen?

Auf jeden Fall werden auch andere über die Spiele berichten. Denn Bilder kann heute jeder einfach machen. Die Publikationsmittel sind „demokratisiert“. Blogger, Twitterer wie auch die Facebook-Gemeinden werden in der Berichterstattung berücksichtigt werden. Das Olympische Komitee hat sich erst einmal deren Unverständnis und Spott organisiert. Denn wer die offizielle Website „London 2012“ verlinken will, der darf die olympischen Spiele nicht in einem „falschen, irreführenden, abfälligen oder sonst wie anstößigen Licht erscheinen zu lassen“. So steht es in den Nutzungsbedingungen.

Und wie werden die Sportlerinnen und Sportler wie auch die Journalistinnen und Journalisten die Medien nutzen? Schließlich geht es ja für fast alle darum, Aufmerksamkeit für sich zu gewinnen: für die eigene Person, für das eigene Medium.

Zum Ende der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts begann die Sportberichterstattung im Internet. An all die Plattformen und sozialen Netzwerke war damals nicht zu denken.  Die Londoner Spiele sind die ersten ONLINE-Spiele, die auf all diesen Kanälen begleitet werden. Von den 26 Sportarten und den 302 Wettbewerben wird so viel wie noch nie berichtet werden. Man ist nicht mehr weit davon entfernt, alles zu übertragen.  Die individuellen Interessen der Nutzerinnen und Nutzer werden immer umfangreicher bedient. Doch wer mehr als die laufende, also hintergründige, aufklärerische Berichterstattung wünscht, der wird auch wie früher danach suchen müssen.

 

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