Zitiert: Wie “Babylon Berlin” Geschichte schreibt

Die Serie „Babylon Berlin“ habe ich mir angeschaut, jeden Donnerstag. Ich habe gestaunt, wie innerhalb des Genres ein Narrativ entsteht, das tatsächlich meine Kinder und mich gleichzeitig in das Wendejahr 1929 zieht. Mit Mitteln, die ich nicht billige. Ich billige nicht, dass man mir über einen Kriminalfall ein Jahr erklärt, aber mein Verstand war keine Bremse dafür, dass ich gefühlsmäßig übergelaufen bin.

Alexander Kluge: Im Netz gibt es keine Öffentlichkeit. In: epdmedien 70 Jahre Sonderheft, S. 8

Hätte die ARD ohne die Sky-Beteiligung an „Babylon“ auf Tatorte verzichten müssen?

“Bei deutschen Kinoproduktionen sind öffentlich-rechtliche Sender in der Regel beteiligt. Hier wird sich auch nicht beschwert, dass der Gebührenzahler zuerst ein Kinoticket lösen muss, um den jeweiligen Film zu sehen, geschweige denn Geld für einen DVD- oder VoD-Konsum zu bezahlen hat, bevor er nach zwei Jahren den Film kostenlos im Free TV sehen könnte. … Ein Pay-TV-Sender ist über die Abonnentenzahl limitiert, bei Sky sind das derzeit wunderbare fünf Millionen, während ein Free-TV-Sender die Serie über eine lineare Ausstrahlung und die eigene Mediathek allen Fernsehzuschauern, eben über 80 Millionen frei zugänglich machen kann. Darüber hinaus: Wenn eine frei zugängliche Verbreitung als erstes stattfinden würde, macht die Beteiligung eines Pay-TV Senders an solch einer Serie keinen Sinn mehr. Und hätte die ARD Degeto den Pay-TV Sender Sky ersetzt, hätte die ARD auf vier bis fünf „Tatorte“ verzichten müssen …”

(Stefan Arndt, Tagesspiegel, 20.10.2017 (online))

 

Hinweis I: Sky zahlt ca. 5 Mio. Euro. 12 Millionen Euro sollen von der ARD-Tochter Degeto kommen, rund fünf Millionen von Sky, 12 Millionen Euro von mehreren Filmförderanstalten und elf Millionen vom Rechtehändler Beta Film, der die Serie auf eigenes Risiko weltweit vermarktet. (Hannoversche Allgemeine, 4.10.2017, online)

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