Zitat: Warum soziale Netzwerke gesellschaftlich reguliert werden müssen

„Das Problem ist die Überschneidung des Aufmerksamkeitsbedürfnisses von Einzelpersonen oder Gruppen und dem Bedürfnis von Unternehmen, Geld zu verdienen. Sie macht es lohnenswert, möglichst viel Aufruhr zu erzeugen. Das ist eine giftige Mischung. Unternehmen, die dafür verantwortlich sind, öffentliche Kommunikation zu ermöglichen, und dann davon profitieren, dass sie die Stimmung aufheizen, müssen gesellschaftlich reguliert werden.“

 

(Jan Kalbitzer, Süddeutsche Zeitung, 21.12.2016, online)

Dokumentiert: Nachrichtennutzung über soziale Medien

Sascha Hölig und Uwe Hasebrink vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung an der Universität Hamburg werteten die Ergebnisse des Ergebnisse Digital News Survey 2016 des Reuters Institute aus. Dabei stellt sie vor allem fest:

  • Soziale Medien werden vor allem als Zusatz zu klassischen Medien als Nachrichtenquelle genutzt
  • in Deutschland spielen – im Gegensatz zu anderen Ländern – soziale Medien eine vergleichsweise geringe Rolle bei der Nachrichtennutzung
  • die Nutzer schätzen die Quellenvielfalt und Verbreitungsgeschwindigkeit in den sozialen Netzwerken
  • Journalistische Leistung wird als solche nach wie vor anerkannt
  • eine algorithmengesteuerte Nachrichtenauswahl, die auf den Nutzungsinteressen der eigenen Freunde basiert, halten durchschnittlich 23 Prozent der deutschen Onliner (Gesamtstudie: 22 Prozent) für einen guten Weg
  • wenige Nutzer sind aktiv an nachrichtenbezogener Kommunikation beteiligt.

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Zitat: Facebooks Aufmerksamkeits-Maximierungs-Strategie

Wer die Suchtgefahr maximieren wolle, müsse die Aktion eines Nutzers (das Aktualisieren einer Webseite, das Öffnen der Facebook-App) mal belohnen, mal ins Leere laufen lassen. „Die Suchtgefahr ist am stärksten, wenn die Belohnungsrate am deutlichsten variiert.“ Wer nicht weiß, wann die nächste Belohnung fällig ist, schaut öfter nach.

 

Hakan Tanriverdi, Süddeutsche Zeitung, 08.06.2016 (online)

Zitiert: Befördern kommerzielle soziale Netzwerke Ablehnungs-Gemeinschaften?

„Das Internet erleichtert also die Entstehung von Ablehnungsgemeinschaften, erschwert aber deren übergreifenden, dauerhaften Zusammenschluss in Bezug auf eine positive Agenda.

jener Algorithmus, der die individuell zugeschnittene Anpassung von Suchergebnissen erlaubt, führt zur Desintegration. Das Netz befördert eine Individualisierung, bei der sich der Netzaktivist in geschlossenen Gesinnungsgemeinschaften bewegen kann. Facebook fordert Counter Speech, also Widerrede gegen Hasskommentare, wohl wissend, dass das Geschäftsmodell auf dem Gegenteil beruht.“

 

Markus Linden, sueddeutsche.de, 6.11.2015, online

Zitat: Warum und wie Twitter und Facebook mit Nachrichten die Wirklichkeit verzerren

Facebook und Twitter geht es aber nicht darum, Informationen zu verbreiten, und auch nicht darum, das Publikum zu bespaßen. Die Internetkonzerne wollen, dass sich die Nutzer so lange wie möglich auf ihren Seiten aufhalten, um Werbeeinnahmen zu generieren. Dass ihnen eine Rolle als bedeutende Medienspieler zuwächst, ist für sie ein netter Mitnahmeeffekt, mehr nicht. Für die Nutzer hat das zur Folge, dass ihre Nachrichten nicht nach Relevanz, sondern ökonomischer Verwertbarkeit gefiltert werden. Der Nutzer sitzt im Silo sozialer Netzwerke und ist manipulierbar.

 

Adrian Lobe auf faz.net, 20.03.2015

 

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