Warum Strafen die Privatsender nicht abschrecken: das Verhältnis von Einnahmen und Strafe

Am Dienstag hatte ich darüber berichtet, wie weh die Strafe von 15.000 Euro für einen Programmverstoß RTL tun und festgestellt:

 

RTL erzielte 2010 Werbeeinahmen von 2,69 Milliarden Euro Werbeeinnahmen und damit knapp 17 Prozent mehr als im Vorjahr. RTL nimmt also an einem Tag im Schnitt 7,36 Mio. Euro ein, in einer Stunde 307.000 Euro und in einer Minute 5.000 Euro. Die kommerziellen Sender dürfen in der Stunde 12 Minuten Werbung bringen. 15.000 Euro nicht einmal 0,0006 Prozent der Bruttowerbeeinnahmen.

 

Wie sieht es nun bei anderen deutschen Sendern aus:

Pro Sieben hatte mit 1,94 Milliarden Euro ca. 20 Prozent mehr als im Jahr 2009.

Vox verbuchte 910 Mio. Euro (+20%).

Kabel1 erzielte 750 Mio. Euro (+16%).

RTL 2 nahm 650 Mio. (+1 Prozent) ein.

Super RTL registrierte Einnahmen von 280 Millionen Euro (+8 Prozent).

15.000 Euro liegen also zwischen 0,00057 und 0,0053 Prozent der Bruttowerbeeinnahmen. Allein Super RTL hat einen Bruttoumsatz von 767.000 Euro am Tag, 32.000 Euro in der Stunde und 500 Euro in der Minute.

Und so wird zweierlei deutlich: Die heutigen Strafen tun den Sendern nicht weh. Ein einheitliches Strafmaß trifft die Sender aufgrund unterschiedlicher Einnahmen unterschiedlich stark. So wäre zu überlegen, ob das Strafmaß mit den Einnahmen korrelieren sollte. Ein höheres, relevantes Strafmaß muss jedoch auch von der Medienpolitik gewollt werden. Und die Medienaufsicht muss bereit sein, (drastische) Strafen zu verhängen, anstatt Kompromisse anzubieten. Es gibt einen neuen aktuellen Anlass: Vera Int-Veen ist bei RTL „Mietprellern auf der Spur“. Doch die Produktionsmethoden der Sendung stehen in der Kritik. Werden doch Bilder gezeigt, für die die Betroffenen kein Einverständnis gegeben haben. Zudem schreckt man auch davor nicht zurück, Bildmaterial zu verfälschen (um unter anderen die Zustimmung der Betroffenen zu suggerieren), wie digitalfernsehen.de unter Bezug auf BILD meldete.

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