Die Filmproduktion der DDR stand immer in Spannung zum Projekt eines real existierenden Sozialismus. Schaut man die Filme zum 80. Jubiläum der DEFA heute an, entdeckt man eine immer noch brauchbare Ressource. […]
Der entscheidende Punkt an der Regel aber wird gerade an DEFA-Filmen auf eine sehr interessante Weise deutlich: Jede Erzählung führt etwas Implizites mit, und auf dieser Ebene erst entsteht das Künstlerische. Bei den DEFA-Filmen ist das Implizite einerseits, dass sie immer auf das große Ganze des Aufbaus des Sozialismus bezogen sind, dass sie aber konkret eigene Vorstellungen vom Sozialismus haben oder auch von dessen Alternativen. Sie sind also immer schon stärker oder zumindest ausdrücklicher diskursiv als das Kino der „freien“ Welt.
In den geläufigen Logiken auch der Filmkritik gilt das als Schwäche, und tatsächlich gibt es ja auch plane, didaktische, bevormundende Filme der DEFA. Aber in den vielen großen Filmen aus den Achtzigerjahren, von „Märkische Forschungen“ bis „Solo Sunny“, geht es im Impliziten um die auch für das heutige Deutschland entscheidende Frage: Wie findet eine Gesellschaft die Grenzen ihrer Freiheit, ohne darüber als ganze unfrei zu werden? […]
Die DDR bekam mit der DEFA ein Kino, das sich bei aller bürokratischen Gängelung niemals vollständig instrumentalisieren ließ. Im Gegenteil. Die vereinigte Bundesrepublik kann in den 700 Filmen seit 1946 einen Schatz finden, aus dem das Wesentliche noch längst nicht herausgeholt ist.
Bert Rebhandl, faz.net, 26.07.2026 (online)

