Erfolgreiche Künstler bei Spotify haben jetzt absurde Namen wie „Relaxing Music Therapy“ oder „Air Conditioner Sound“. Dahinter stecken keine Musik-Genies, sondern Geschäftemacher. …
Doch in einer Umgebung, die ausschließlich auf Wachstum ausgelegt ist, ist maximale Sichtbarkeit das einzige Relevanz- und Qualitätskriterium. Nicht mehr große Gefühle, ewige Wahrheiten und das menschliche Befinden an sich stehen am Anfang des kreativen Prozesses, sondern nur noch Metadaten und die Häufigkeit von Suchbegriffen.
Für Pop-Puristen klingt all das selbstverständlich empörend. Doch es ist gar nicht so leicht, das Geschäft mit den Künstlern aus der Konserve zu verdammen. Immerhin verhalten sie sich keineswegs illegal. Im Gegenteil, sie haben die neuen Naturgesetze des Musik-Business verinnerlicht und konsequent umgesetzt.
Michael Moorstedt, sueddeutsche.de, 11.10.2020 (online)