Afrobeats aus Westafrika sind weltweit in Mode – und die Musikbranche in Afrika wächst. […] Die moderne Unterhaltungsmusik hat Mutter Afrika viel zu verdanken: Ob Highlife und Soukous, Blues und Jazz, House und HipHop, Reggae und Rumba, Salsa und Samba – all diese Musikstile wären ohne afrikanische Einflüsse und Rhythmen undenkbar. Finanziell hat der Kontinent davon bisher aber wenig gehabt. Mit den Afrobeats ändert sich das nun. Laut Eddie Hatitye, Direktor der Plattform „Music in Africa“, erlebt afrikanische Musik derzeit eine weltweit beispiellose Aufmerksamkeit und wachse stark. Er erklärt das mit dem jungen Publikum in Afrika, einem verbessertem Internetzugang, der verstärkten Nutzung digitaler Plattformen und dem internationalen Erfolg einiger Genres wie der Afrobeats und des Amapiano aus den Townships von Johannesburg und Pretoria in Südafrika.
Hatitye kritisiert allerdings, dass die meisten afrikanischen Künstler:innen von den Plattformen nicht ausreichend vergütet werden. […] Laut der International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) haben die Einnahmen in Subsahara-Afrika im Jahr 2024 erstmals die 100-Millionen-Dollar-Marke überschritten – bei einem Wachstum von über 20 Prozent. 2025 setzte sich der Trend fort, als sie um 15 Prozent auf 120 Millionen US-Dollar anstiegen […] In einigen afrikanischen Ländern bringen eine Million Streams nur rund 300 bis 400 US-Dollar ein – in den USA dagegen das Zehnfache.
Das liegt vor allem an den unterschiedlichen Preisen für Streaming-Abonnements, aus deren Einnahmen die Rechteinhaber vergütet werden. In Ländern, in denen Nutzer:innen niedrigere monatliche Gebühren gezahlt werden, entstehen kleinere Tantiemenpools. In Nigeria kostet Spotify etwa nur rund 0,50 US-Dollar pro Monat – im Vergleich von bis zu 14 US-Dollar in Ländern mit hohem Einkommen. Entsprechend weniger verdienen in Afrika Künstler:innen bei gleicher Anzahl an Streams.
Womba Kasela, taz.de, 20.09.2026 (online)

