Zitiert: Anspruch, „Vierte Gewalt“ zu sein, ist eine Grenzüberschreitung

Halten wir uns den Spiegel vor: Der erste Blick in all die Umfragen und Studien könnte uns beruhigen. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung sieht weiterhin die Tageszeitungen und die öffentlich-rechtlichen Medien als seriöse Quellen und hilfreiche Wegbegleiter in allen Diskussionen, die eine lebendige Demokratie mit sich bringt. Diese Zustimmungswerte haben in den vergangenen Jahren auch nur wenig abgenommen, das ist angesichts der wütenden Behauptungen der großen Vertrauenskrise eine gute Nachricht.

Doch in den Detailergebnissen der zahlreichen Studien steckt auch Beunruhigendes. Bei aller Wertschätzung der Leitmedien ist unübersehbar, dass sich zwei Vorwürfe quer durch die Generationen halten, ja sogar deutlicher geworden sind.

Die Medien seien nicht kritisch genug und, und das ist besonders bedenklich, sie seien zu nahe an der Macht, seien zu sehr ein Teil der „da oben“. …. Diese Kritiker leben nicht in den Echokammern von Facebook und Co. Irgendetwas läuft schief, wenn derartige Einschätzungen so tief und quer durch die Generationen und sozialen Gruppen verankert sind. Diese Kritik gilt unserer Rolle und der Art und Weise, wie wir in dieser Rolle aufgehen. Was läuft konkret schief?  Vielleicht stellen wir uns in unserer Haltung zu häufig an die Seite der „alternativlosen Wahrheit“. Vielleicht geben wir uns zu häufig damit zufrieden, politische Debattenbeiträge und Entscheidungen zu transportieren, ohne sie in einen offenen Diskurs einzubetten, ohne Gegenpart im Auftrag unserer Leser, Hörer und Zuschauer zu sein. Und vielleicht glauben wir in einem Winkel unseres Herzens wirklich an unseren angeblichen Auftrag als „Vierte Gewalt“. In unserer Verfassung ist davon keine Rede, die Presse- und Meinungsfreiheit ist kein Mandat für die Medien, eine gestaltende Rolle im Rahmen unserer Gewaltenteilung einzunehmen. Unser Anspruch, „Vierte Gewalt“ zu sein, ist hybrid und eine Grenzüberschreitung. Eine „Vierte Macht“ müsste sich übrigens auch in eine gesamtstaatliche Verantwortung einfügen, wie es für die drei anderen „Gewalten“ gilt.

 

Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue in: M (Menschen Machen Medien), 20.12.2017 (online)

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