Entgegen allen Befürchtungen und Sparappellen ist offensichtlich: Es ist genug Geld da. Vor allem in der Welt der Medien: Die Gewinne der US Konzerne Meta & Alphabet beliefen sich 2024 auf 129,3 Milliarden €. Elon Musks Kurznachrichtendienst X wurde von Investoren mit einem Gesamtwert von 44 Milliarden US-Dollar bewertet, die Einnahmen von TikTok stiegen innerhalb eines Jahres um 42%. Das Umsatzwachstum kommerzieller Technologiekonzerne explodierte von 2020 bis 2024 um 66,6%, jene der nicht-europäischen Top 10 Social-Media-Unternehmen um 93,4%. Der Vergleich macht sicher: 1.979 Milliarden € für die zehn größten Techgiganten, 41 Milliarden für den gesamten Sektor der Öffentlich-Rechtlichen, deren reale Einnahmen zwischen 2014 und 2023 um 10,9% sanken. Allein die zehn mächtigsten Digitalkonzerne erwirtschafteten 2024 48mal so viel wie alle 64 öffentlich-rechtlich Medienanstalten in Europa. 2019 stand das Verhältnis noch bei 1:26.
Das ist mehr als eine schiefe Ebene, es ist eine Abbruchkante. […]
Während eine Handvoll weltweit agierender Unternehmen ausreichend Geld hat, um Kommunikations- und Medientechnologien mit enormer Dynamik innovativ weiterzuentwickeln und sich damit einen beinahe uneinholbaren Vorsprung in der Mediennutzung verschaffen, verlieren Qualitätsmedien in dramatischem Ausmaß an Reichweiten, Relevanz und vor allem an Möglichkeiten in die digitale Zukunft zu investieren. Die Reaktion der Politik ist bemerkenswert: Während die Klagen über Fake News, Filterblasen, über Manipulation und Hetze durch unkontrollierbare künstliche Intelligenz zum allgemeinen Konsens geworden sind, gilt für Qualitätsmedien zeitgleich ein Spardiktat, ausgewiesen als unumgängliches Downsizing.
Ist das also die Zukunft: noch weniger Journalist:innen? Noch weniger qualifiziertes Personal in Technik und Produktion? Noch geringere Budgets für Programme? Was als Effizienzsteigerung verordnet wird, führt längst zu einem wahrnehmbaren Verlust an Leistungsumfang und Qualität. Wenn Sparprogramme die „Gürtel enger schnallen“ lassen, bleibt Journalist:innen oft die Luft weg. Längst ist die ungebremste Ressourcenkürzung zur Qualitätsfrage der Medien geworden.
Sparen in der Medienwelt – Was auf dem Spiel steht (ORF TEXTE 30: Weggekürzt, S. 3, online)

