Viele Umfragen und zuletzt erhobene Stimmungsbarometer in Österreichs Bevölkerung weisen auf sinkendes Vertrauen in manche Institutionen hin, insbesondere in Wissenschaft, Politik, Journalismus und Medien. […]
Vorweggenommen sei, was die befragten 1.539 Personen (17 bis 75 Jahre) in Österreich unter „Vertrauen“ in Medien verstehen: hier ist „journalistische Qualität“ mit rund 62 Prozent der Nennungen der bedeutendste Faktor, gefolgt von „Transparenz bei der Recherche“ mit knapp 55 Prozent. Auch die „Offenlegung von Quellen und Methoden“ wird als sehr wichtig betrachtet. Nicht zuletzt stellen auch „Haltung“ des Mediums und „persönliches Bauchgefühl“ der Rezipient:innen einen nicht unwesentlichen Aspekt für die Befragten dar. […]
Es zeigt sich: Weniger Vertrauen in klassische Medien und mehr Nachrichtenkonsum über soziale Medien hängen direkt mit weniger Demokratiezufriedenheit zusammen. Dass Menschen mit der Demokratie unzufrieden sind und sich deshalb alternativen Medienangeboten zuwenden, kann natürlich ebenso sein, doch interessierte uns hier, wie der vermehrte Konsum womöglich „gebiaster“ Nachrichten über soziale Medien Demokratieunzufriedenheit negativ beeinflusst. Es liegt also am politischen System, das Vertrauen in seine Entscheidungen wieder zu erhöhen und an den klassischen Medien, zu zeigen, dass ihnen mehr zu vertrauen ist als so mancher digitalen Plattform.
Michael Litschka, derstandard.at, 29.01.2026 (online)

